Der Kettendampfer mit einer endlosen Reihe von bewimpelten, schwerbefrachteten Lastkähnen schnaubte und rasselte den Fluß herunter, an ihm vorbei. Hinter ihm auf der Landstraße zogen grölende Arbeiter vorüber; ein Automobil fauchte und tutete — dann klirrte ein Fahrrad — er sah und hörte nichts. Er brauchte seine ganze Besinnung und seine volle Stärke, um sich festzustemmen und der Woge zu wehren, die ihn vom Land reißen wollte. Sie trug menschliche Züge. Darum war es so schwer, sie wegzuschieben, sie fortzustoßen, ihren gelenkigen, verführerischen Widerstand zu brechen. Wie schwer, das Land im Auge zu behalten, Marga zu sehen, die blinde, anspruchslose, in der Dämmerung verblassende Marga! Ein wildes, unstetes Ringen war es, und als er sich durchgekämpft zu haben glaubte, lohnte kein freies, heiteres Gefühl. Ein bitteres „Muß” stand mit krausen, harten Falten auf seiner Stirn, lag drückend auf seinem Rücken und schien ihm die Glieder zerbrochen zu haben.
Langsam und mechanisch schritt er den Weg zurück, den er gekommen war. Flußaufwärts nach der Sägemühle. Er wiederholte sich standhaft ein und denselben Schluß und klammerte sich an ihm fest. Wenn die Liebe nicht stark genug war, mußte die Pflicht das ihre dazutun ...
Es dunkelte schon, als Perthes nach der Mühle kam.
Marga und Elli hatten es aufgegeben, ihn zu erwarten. Sie saßen in der Halle bei einer Lampe. Elli erzählte aus der Stadt, von wo sie um sechs Uhr zurückgekommen war: sie hatte einige Besorgungen gemacht und nach dem Haus am Wenzelsberg gesehen. In wenigen Tagen sollten die Sommerferien für sie zu Ende sein, sollte nach der Stadt zurückgekehrt werden.
Ein froher Ausruf Ellis, mit dem sie sich unterbrach, verkündete doch noch die Ankunft von Perthes.
Überrascht und beglückt leuchtete es in Margas Augen. Sie stand auf, um ihm entgegenzugehen. „Wußt' ich's doch, daß du Wort halten würdest, wenn's irgend ginge!” rief sie heiter.
„Wort halten? Warum soll ich nicht Wort halten?” erwiderte Perthes mit der Reizbarkeit eines schlechten Gewissens. Er schob Margas Arme, die sich mit zärtlicher Vertrautheit um seinen Nacken schlingen wollten, beiseite.
Erschrocken weiteten sich ihre blicklosen, von Liebe strahlenden Augen. „Verzeih!” stammelte sie verwirrt und ließ die Arme sinken. „Bist du verstimmt von deinem Besuch?”
„War es denn so schlimm? Erzählen Sie mal ordentlich! Wir sind schrecklich neugierig,” bat Elli, unbekümmert um seine zweifelhafte Laune. „Der Grandseigneur, wie ihn Papa immer nennt, soll ja sehr exzellent sein. Er sieht auch so aus. Und Alice Hupfeld —”