Sie warf sich fröhlich an Margas Hals und bestellte ihn zehnfach.
Marga weinte und lachte zugleich. Die Angst, die zehrende Herzensangst schwand vor neuer Hoffnung. Sie erzählte Elli von Perthes' Plänen. Sie schöpfte Mut aus der jubelnden Zustimmung der Schwester. Selber schalt sie sich schwerfällig, weich, überernst. Elli belegte sie noch mit viel schlimmeren Schimpfnamen.
Und sie stellten sich Käthes maßloses Erstaunen vor, malten sich Vater Richthoffs Meinung in hundert Vermutungen aus, plauderten und bauten Luftschlösser, bis das Öl in der Hängelampe zu Häupten ihres Tisches zur Neige ging, die Flamme bläulich zuckte und die Halle dunkel und dunkler wurde.
Dann führte Elli die „erklärte” Braut mit feierlichem Übermut nach oben.
[10]
Ehe der alte Herr und Käthe von der Sommerreise heimkehrten, mußte im Haus am Wenzelsberg das große Herbstreinmachen erledigt sein.
Kaum waren Elli und Marga von der Sägemühle, war Therese aus ihrem Heimatdorf zurückgekommen, so wurde mit Hilfe der Scheuerfrau das Unterste zu oberst gekehrt. Das Gröbste taten natürlich die dienstbaren Geister. Aber daneben gab es noch genug zu tun, woran die beiden Schwestern ihre erholten Kräfte üben konnten. Elli zumal warf sich ungestüm wie ein junges Füllen ins Joch. Sie wollte überall dabei sein. Marga hatte ihre liebe Not, sie vom Teppichklopfen und Treppenscheuern abzuhalten. Wenn sie sie dann zu einer angemesseneren Hantierung zurückholte, zur Ordnung in Schränken und Kommoden und im Silberkasten, schmollte Elli über ihre gezügelte Tatkraft, ja, sie schimpfte wie ein Rohrspatz.
„Du hast's wahrhaftig nötig, Margakind, mir gute Lehren zu geben! Lernen solltest du von mir, statt mich von aller tüchtigen Arbeit fernzuhalten! Du wirst 'ne nette Hausfrau abgeben! Die nur so wie der Geist Gottes über den Wassern schwebt, statt selber was Rechtes anzufassen! Perthes kann einem leid tun!”
Ihr höchstes Vergnügen war, wenn Marga auf solche Vorhaltungen „einschnappte”, wenn sie sich ernsthaft verteidigte und erklärte, es genüge gewiß, die Aufsicht zu führen. Da legte Elli verdoppelt los: sie würde sich nicht wundern, wenn es bei Marga mal drunter und drüber ginge. Sie dächte wohl, Perthes werde ihr so fünf bis sechs Dienstboten halten! Und sie, Marga, könne dann dasitzen, auf einem goldenen Thrönchen, die Hände im Schoß und ihre hohen Befehle lispeln! Elli ruhte nicht und entwarf die grimmigsten Zerrbilder von dieser künftigen Tatarenwirtschaft im Haus Perthes. Sie trieb es so lang und so toll, bis Marga wirklich ganz kleinlaut wurde.