Käthes letzter Brief war aus Tegernsee gekommen. „In wenigen Tagen sind wir bei euch!” hatte es verheißungsvoll geklungen. „Papa depeschiert Tag und Stunde.”

Aber statt der Depesche kam eine Karte: man hatte sich unerwarteterweise mit Hofrat Geismar getroffen, der in Kreuth seine Ferien zubrachte. Der hatte es verstanden, den alten Herrn noch für eine Woche zu sich zu locken.

Marga, die der Heimkehr der Reisenden im Hinblick auf die schwierigen Eröffnungen, die sie zu machen hatte, und auf Perthes' Werbebesuch mit ebensoviel Bangen wie Freude entgegensah, gab sich geduldig in die Zögerung. Elli grollte ganze zwei Stunden lang. Nachher traf sie sich, zufällig natürlich, mit Wilkens in der Stadt und fand das Leben so rosig und „wonnig” — das war ihre Lieblingsbezeichnung — wie je.

Und die acht Tage vergingen auch.

Ehe sie zur Bahn zogen, umarmten sich Elli und Marga noch einmal: sie schworen sich treue Waffenbrüderschaft für ihre Liebesgeheimnisse. Sie kamen gerade recht zum Zug.

Käthe ließ grüßend das Taschentuch flattern. Kurz darauf war sie auch schon auf dem Perron, blühend, gebräunt, ordentlich rundlich in dem funkelnagelneuen, hellgrauen Kostüm, das Papa unterwegs spendiert hatte. Küsse und Umarmungen folgten in stürmischer Abwechslung.

Der alte Herr brauchte geraume Zeit, ehe er sich zeigte. Er war nämlich gerührt. Und das paßte ihm nicht. Deshalb wirtschaftete er eine beträchtliche Weile im Abteil mit dem Handgepäck und dem Dienstmann, der es herausbeförderte. Dann erst kam er zum Vorschein, mit einer Miene, die sehr würdig und zurückschreckend aussehen sollte, — den neuen Strohhut mit grünem Band verwegen wie Garibaldi über dem weißbärtigen Gesicht. Die Mädels waren trotzdem so respektlos, ihn „auf offener Straße”, wie er abwehrend schalt, zu umhalsen und zu küssen. „Ruhig im Glied!” befahl er mit sehr rauher Stimme. „Seid wohl, hoff' ich? Und habt euch reputierlich geführt? Werden ja sehen!”

Im Wagen — „um sich das Schlaraffenleben abzugewöhnen” — ging es lachend und plaudernd an den Wenzelsberg.

Der alte Herr war die Milde und Gemütlichkeit selbst — auch nur „zum Abgewöhnen” natürlich. Und auch die drei Schwestern waren voneinander hoch befriedigt. —

Zwei, drei Tage nachher hatte das Leben am Wenzelsberg sein gewohntes Aussehen.