„Ich wollte mit Ihnen eine Angelegenheit besprechen, die —” Hupfeld überlegte lächelnd. „Im übrigen, ich möchte das nicht aufschieben. Sie können sich mit mir ins Auto setzen. Es läßt sich da ungestört plaudern. Wollen Sie?” Die Frage wurde von einer jener herrischen Gebärden begleitet, die Hupfelds Liebenswürdigkeit eigentümlich machten.
Perthes erschrak unwillkürlich über den neuen Beweis von Wohlwollen. Die Volontärärzte auf der Treppe des Vestibüls machten lange Hälse. Doktor Brunner war diskret und höflich, aber mit ersichtlich langem Gesicht zurückgetreten.
„Sie brauchen nicht zu befürchten, daß ich Sie zu lange in Anspruch nehme,” fuhr Hupfeld, der dies Schwanken schmeichelhaft beurteilte, beruhigend fort. „Ich lasse Sie mit meinem Wagen zurückführen.”
Nun gab es keine Widerrede. Perthes faßte sich schnell. „Wenn Exzellenz einen Moment warten wollen?” Er deutete auf seinen Operationsmantel.
Der Geheime Rat nickte gütig.
Perthes lief nach dem Hause. Ein saurer Gang in der Sonne öffentlicher Gnade. Er kniff die Lippen zusammen und heftete die Augen geradeaus ins Leere, als er an den beiseitetretenden Volontären vorbeieilte. Im Nu kam er zurück, in Jackett und Hut. An den ironischen Mienen der jungen Kollegen las er ab, was sie von dieser Autounterredung hielten. Als er wieder ins Freie trat, meinte er hinter sich etwas flüstern zu hören wie: „Exzellenz Schwiegerpapa!” Die Wut trieb ihm das Blut in den Kopf. Doch schon schritt er an Brunner vorüber, der unglücklich dreinsah und an seinem militärischen Schnauzbart zu kauen schien.
Der Krankenwärter half ihm ins Automobil, in dem Exzellenz schon Platz genommen hatte. Er machte dabei einen Bückling, für den Perthes ihm ins Genick hätte hauen mögen.
Doch schon fuhren sie tutend davon.
Hupfeld zögerte nicht, seinem Fahrgast seine Absichten auseinanderzusetzen. Fürs erste freilich, solange sie noch innerhalb der Stadt fuhren, sah er sich durch häufige Grüße unterbrochen. Er pflegte alle mit ausgesuchter Höflichkeit zu erwidern, ob es sich um einen Universitätsdiener handelte oder um einen Geheimrat. Erst hinter der Brücke, am Ausgang der Neustadt, wo die Villenstraße allmählich in die Landstraße überging, kam er in medias res. Nachdem er die Aussichtslosigkeit betont, die das Befinden des armen Kronheim biete — er hatte neuerdings selbst sehr trübe Nachrichten aus Rapallo erhalten —, sprach er von der Notwendigkeit, die erste Assistentenstelle seiner Klinik einstweilen neu zu besetzen.
„Die Angelegenheit ist durch die Persönlichkeit des guten Brunner, der eigentlich der nächste Anwärter ist, kompliziert,” erklärte der Geheime Rat fortfahrend. „Um es von vornherein zu sagen: er ist nicht der Mann, den ich brauche.”