Elli kam von unten, Käthe von oben, beide mit fragenden, verwunderten Mienen.
„Ihrem Herrn Vater ist unwohl geworden!”
Die Schwestern eilten mit der Fremden bestürzt ins Arbeitszimmer. Der Anblick raubte ihnen einen Moment die Sprache. Dann schrien sie auf vor Schreck.
Der Leib des alten Herrn war vornüber gesunken. Sein kahler Kopf, von dem das Käppchen herabgeglitten war, ruhte mit den wenigen weißen Strähnen auf dem Strauß von duftenden Rosen.
„Papa — was ist dir?” Elli hatte sich neben ihm auf die Knie geworfen und griff nach den schlaffen Händen.
Käthe rief nach Therese, nach dem Arzt. Sie rannte aus dem Zimmer. Elli mit demselben Ruf besinnungslos hinter ihr drein. Von dem gleichen Gedanken beseelt, stürzten sie aus dem Haus. Käthe nach dem nächsten Fernsprecher, Elli zu Geismar.
Therese stand verständnislos und kopfschüttelnd unter der Küchentür, sah die beiden Fräulein vorbeirasen, ohne ihre Worte zu verstehen, und die fremde Dame, die sich unheimlich und überflüssig fühlte, ihnen fluchtartig folgen ...
Marga war bei dem entsetzten Aufschrei der Schwestern aus der Tür ihres Zimmers im Dachstock getreten, das Käthe vor ihr verlassen. Sie wußte von nichts. Aber das Rufen, Laufen und Türenschlagen erfüllte sie mit einer erschreckenden Ahnung, die ihr scharfer Instinkt schnell in die klarste Gewißheit verwandelte.
Da unten, einen Stock tiefer, war der Tod eingekehrt. Sie meinte seine eisige Kälte gegen ihre Wangen, ihre Stirn andringen zu fühlen.
Und mit der Gewißheit kam eine wunderbare, mechanische, gebietende Sicherheit über sie. Mit einer langsamen Ruhe, über die sie sich selber wunderte, stieg sie die Treppe hinunter und trat durch die offene Tür in das Arbeitszimmer ihres Vaters.