Für einen Augenblick lichtete sich sein Bewußtsein. Wollte er eine Schlechtigkeit tun? War er wahnsinnig geworden? Wo war er? Was trieb er?

Doch schon faßte ihn wieder der Zwang. Gewißheit um jeden Preis mußte er haben!

Er riß an der verschlossenen Schublade des Schreibtisches. Der Widerstand entfachte nur seine Wut. Mit seiner ganzen, in der Anspannung gewaltigen Körperkraft erbrach er sie. Alice hätte in diesem Moment erfahren können, daß der Räuberhauptmann in ihm noch nicht vom Philister völlig verschlungen war!

Er wühlte in dem wahllosen Durcheinander von Rechnungen, Briefpapier, Einladungen.

Schließlich, ganz zu hinterst, aber gar nicht etwa versteckt, fand er Briefe mit Hammanns unpersönlicher Schrift. Einen, zwei, die nichts von Belang, nichts Überzeugendes enthielten. Dann eine Briefkarte, mit Bleistift geschrieben — sechs, acht Zeilen — die ihn auf den Stuhl vor dem Schreibtisch taumeln ließen.

Das war die Gewißheit, die er gesucht hatte. Alice hatte ihn mit Ludolf Hammann betrogen ...

Mit der Gewißheit kam für Perthes das Erwachen aus dem dämmerhaften, halbwachen Zwang, der ihn zu einer häßlichen Gewaltsamkeit fortgerissen hatte ...

Wie lange er so gesessen, wußte er nicht. Die Wahrheit, grausam, hämisch, konsequent, wie der Traum, der ihn gepeinigt — erst tobte sie in ihm mit Gefühlen der Verachtung, des Schmerzes, des entwürdigten Stolzes, die in seinem Innern stritten und die Vorherrschaft vor seinem Verstand begehrten; dann gab sie ihm einen kalten, nüchternen Entschluß, mit dem er sich erhob.

Er nahm die Briefe an sich, ging zurück in sein Schlafzimmer und machte sich fertig.

Früh am Morgen, viel früher als sonst, schallte seine Stimme mit ungewohnter Schärfe durch das Haus. Er überschüttete die Dienstboten, das Kinderfräulein mit einer Flut von Befehlen, so daß sie in heller Bestürzung umeinander liefen.