„Er soll nicht bloß deshalb kommen, sondern —”

„Sondern?” fragte Marga harmlos neugierig.

„Er macht Hilde König den Hof,” entfuhr es Käthe. „Er soll sie öfters mal ans Haus begleitet haben. Das spricht nicht gerade für seinen Geschmack. Denn das unschuldige Kind läßt sich ja von jedem jüngsten Studenten die Cour schneiden.” Es war, ohne daß sie es wollte, ein Ton von selbstgerechter Schärfe in ihre Worte gekommen.

Marga verlangsamte ihre Schritte. Wenn Käthe sie in diesem Moment angesehen hätte, hätte sie bemerkt, daß ihre Wangen und ihre Lippen sich leise verfärbten. Der kleine, mehr weibliche als schwesterliche Pfeil traf mitten in Margas unschuldige Heiterkeit. Sie schüttelte betroffen den Kopf. Sie konnte das nicht glauben. Gerade dieses oberflächliche kleine Mädel, das alle Welt für sein weites Herz kannte, das sollte ...

„Das ist seine Sache,” sagte sie nach einer Weile ruhig und mit möglichster Gelassenheit. Sie hatte ihren Arm in dem der Schwester gelockert, als könnte das Pochen ihres Herzens Käthe verraten, daß ihr diese Nachricht wehe tat. Aber warum auch? Sie schämte sich schon der törichten Anwandlung und hakte wieder fester unter. Fast im Laufschritt ging es jetzt über den Bahndamm weg, die Straße am Wenzelsberg hinauf und dem väterlichen Hause zu.


[3]

Anfangs hatte sich der Geheimrat mächtig gesträubt. In diesem Sommer wollte er von einer größeren Einladung bestimmt nichts hören. Einmal drängte es nicht, dann war es überhaupt ganz überflüssig.

Käthe, die es wagte, Anfang Juni direkt in die Höhle des Löwen zu gehen und ihm ein Gartenfest vorzuschlagen, wurde beinahe hinausgeworfen. Elli, die mitunter Andeutungen in die Unterhaltung warf — über das unerwartet schöne Wetter, über die wundervollen warmen Abende, über die Vorzüge, die es hätte, gerade jetzt, wo noch nicht alle Welt einem zuvorgekommen, gewisse Verpflichtungen zu erfüllen —, fand taube Ohren und bekam schließlich eine grimmige Bemerkung über die Vergnügungssucht junger Mädchen von heute an den Kopf. Marga dachte wohl manchmal daran, daß sie gern mit Doktor Perthes plaudern möchte. Aber sie schwieg. Es wäre zu ungewöhnlich gewesen, wenn sie, die stets widerstrebend an den häuslichen Gesellschaften teilgenommen, die Schwestern plötzlich unterstützt hätte.

Mitte Juni erklärte Vater Richthoff eines Morgens beim Frühstück, es sei doch merkwürdig, daß er an alles denken müsse. Warum man denn heuer die üblichen Einladungen nicht ergehen lasse? Da man ja doch in den sauren Apfel beißen müßte, wäre es das Netteste, die Jugend mal in den Garten einzuladen. Seine Mädels wären Schlafmützen.