Sie wies ihn ins Schulzimmer und wollte die Damen rufen.

Inmitten der kleinen Bänke blieb er harrend stehen. Er atmete schwer und hielt den Jungen mit einem harten Griff an seiner Seite. Es hämmerte in seinen Schläfen und zuckte vor seinen Augen, so daß er nichts um sich sah.

Nach geraumer Weile öffnete sich die Tür. Es war Elli.

Das Mädchen, das den kleinen Perthes kannte, hatte sie benachrichtigt. Perthes hatte versäumt, sich mit Namen zu nennen, aber sie war keinen Augenblick im Zweifel, daß er selbst es war. Mit klopfendem Herzen, nicht wissend, was sie tun oder lassen sollte, war sie herbeigeeilt. Ohne Marga zu verständigen, die im Garten auf und ab ging. Nun stand Elli sprachlos dem Mann gegenüber, der ihr vor Jahren ein vertrauter Bekannter gewesen. Ihre sonst so frische, nicht leicht einzuschüchternde Art versagte bei diesem unerwartetem Wiedersehen. Sie konnte ihn nur durch eine Bewegung bitten, seine Wünsche zu äußern.

Auch Perthes war einen Moment betroffen und stumm dagestanden. Jetzt erklärte er sich mit fester Stimme.

„Fräulein Richthoff, mein Junge und ich sind gekommen, um Ihr Fräulein Schwester um Verzeihung zu bitten. Ich hörte mit Entrüstung, was für eine große Unart sich der Kleine geleistet hat!”

„Meine Schwester — Sie wollen meine Schwester selbst — sprechen?” stammelte Elli.

„Ich bitte darum,” erwiderte er mit einem leisen Vibrieren des Tones.

„Ich fürchte, daß —” Elli suchte nach einer Ausrede, um Marga dies Wiedersehen zu ersparen, aber Perthes hatte seinen Blick mit einer so zwingenden Bitte auf sie gerichtet, daß sie verstummte. Ein hastiges, bebendes „Ich will nachsehen!” und sie huschte aus dem Zimmer.

Es dauerte wieder eine geraume Zeit.