„Dann kommt es eben darauf an, durch welche von beiden man glücklicher, man mehr ‚man selber‛ ist!” erwiderte Marga überzeugt. „Wenn man das erst weiß, braucht man nur zu wollen.”

„Und dafür sind Sie doch ein Mann! Sagen Sie das ruhig wieder dazu! Ich kann es ganz gut noch einmal hören!” Es war keine Bitterkeit und kein Spott mehr in seiner Stimme, sondern nur eine schwermütige, dumpfe Verzagtheit. Als sein Blick aus verlorener Weite zurückkam, suchte er Marga.

Ihre Augen hatten einen warmen Glanz angenommen, der sie von innen zu erleuchten schien und ihre Blindheit vergessen ließ. Sie hatte sich höher aufgerichtet. Ihre Hände lagen gefaltet in ihrem Schoß; die Haare über ihrer runden, ebenmäßigen Stirn bewegten sich sacht im Winde, der über den Berg fuhr. Von ihrem geschlossenen, in sich einigen Wesen ging eine stille, fast heitere Gewißheit aus, die Perthes mit Achtung erfüllte, einer Achtung, die er zuvor nicht empfunden hatte.

„Und wenn ich's auf eine Probe ankommen ließe, ob Sie recht haben, Fräulein Marga?” meinte Perthes zögernd. „Wollten Sie mir ein klein wenig dazu helfen?”

Sie überlegte. Nur einen Augenblick. „Das wollte ich!” sagte sie kurz und herzlich.

Perthes stand auf, er reckte seine Arme und streckte die hohe, sehnige Gestalt. „Also auf gute Kameradschaft!” Es klang eine so ehrliche Wärme aus seinen Worten, wie er sie den ganzen Abend noch nicht gefunden hatte.

Margas Gesicht wandte sich arglos und voll Güte zu ihm. Sie bot ihm die Hand.

Er ergriff sie und, einer ungekünstelten Bewegung folgend, drückte er einen Kuß darauf.

„Jetzt ist es aber höchste Zeit, daß wir hinuntergehen!” Auch sie war aufgestanden. Ihre Stimme zitterte von innerer Seligkeit, von frohem Stolz über diesen Beweis der Achtung.

Sie wagte diesmal nicht, seinen Arm auszuschlagen, sondern ließ sich von ihm führen.