„Wo denn?” Marga nahm sich zusammen, aber ihr Arm zuckte unwillkürlich in dem der Schwester.
„Gerade vor uns! Er scheint sie mit seinem Schirm heimzubringen!” tuschelte Elli.
Im gleichen Augenblick hörte Marga ihre Stimmen. Seine rauhe, hastige; ihre leichte, etwas gezierte und hüpfende. Dann verstummten beide. Sie hörte, wie die Schritte an Elli und ihr vorüberknirschten.
„Das ist aber stark! Er hat nicht einmal gegrüßt! Er tut, als kennte er uns nicht, und dabei schwöre ich, daß er uns erkannte!” Elli war ganz erregt. Sie ereiferte sich, ohne auf Marga zu achten. So ein Drückeberger! Einfach beiseitezusehen! Und seine Bekannten zu verleugnen wegen diesem dummen, aufgeputzten Gör! Das sollte er von ihr zu hören bekommen!
„Meinst du, daß er uns wirklich nicht sehen wollte?” forschte Marga nach einer Weile zögernd. Sie mußte alle Kraft aufbieten, um einer Erregung, die sie selbst bestürzt machte, Herr zu bleiben.
„Schwören will ich darauf!” beteuerte Elli, und sie schilderte sein Benehmen mit erneuter Lebendigkeit.
„Ich werde ihn fragen, warum er das tat,” erklärte Marga gepreßt.
Der Regen floß jetzt in solchen Strömen, daß sie in der nächsten besten Haustür Schutz suchen mußten. Elli, die nie zu lange beim gleichen Thema blieb, erzählte vom bevorstehenden akademischen Ausflug. Marga hörte ihr krampfhaft zu, auch auf dem weiteren Nachhauseweg. Sie wollte, was sie bewegte, überdenken, wenn sie erst wieder allein mit sich war ...
Da Vater Richthoff heute seinen Kegelabend hatte, wurde schneller als sonst Abendbrot gegessen.
Nachher übten Käthe und Elli am Flügel im Wohnzimmer ein Duett.