Marga stand auf und griff wieder nach ihrer Geige.

Aber spielen, sich vollends freispielen — das konnte sie noch nicht. Sie schloß die Geige in den Kasten und stellte sie beiseite. Dann ging sie zu den Schwestern hinunter, die jetzt zu singen aufgehört hatten und bei der Handarbeit im Wohnzimmer saßen. Sie plauderte mit, so gut es ging. Und es ging besser, als sie dachte ...

Schon am nächsten Vormittag kam Perthes vorbei.

Es war noch immer regnerisch. Er fand Marga nicht im Vorgarten. Als er im Haus nach ihr fragte, wies ihn Therese in den Salon.

Er mußte eine gute Weile warten, ehe sie kam. Wie sonst wollte er ihr die Hand schütteln, doch sie reichte sie ihm nicht zum Gruß. Sie war durchaus nicht steif und unfreundlich, aber von einer Gemessenheit, die Zurückhaltung auferlegte.

Perthes hatte ihre äußere Erscheinung meist nur obenhin betrachtet. Heute fiel ihm die besondere Weiblichkeit ihres Wesens auf, die Züge und Gebärden beherrschte: eine natürliche, anmutige Würde, die durch einen Schatten von Trauer noch gehoben wurde.

Sie hatte ihn mit ein paar Worten in die Glasveranda gebeten, die dem Salon vorgebaut war.

Auf einem Rundtisch von schwarzem Ebenholz mit bunt eingelegter Platte lag ihre feine Häkelarbeit. Sie setzte sich und ließ ihn gegenüber Platz nehmen.

Ein Scherz über den feierlichen Empfang schwebte Perthes auf der Zunge. Er brachte ihn nicht hervor. Ihre schweigsame Ruhe war ihm unbehaglich.

„Warum erzählen Sie mir nichts?” fragte Marga, nachdem sie einige Zeit gearbeitet hatte.