„Ich dachte, Sie würden mir erzählen. Mein Kopf ist heute schon ganz dumm vom Mikroskopieren. Ich wollte eine bestimmte Geschichte herausbekommen — die Struktur eines Muskelgewebes, in dem — doch das kann Sie nicht interessieren! Ich habe mich herumgequält und nichts gefunden. Um mir wieder guten Mut zu holen, bin ich zu Ihnen gekommen. Was haben Sie in den letzten Tagen getrieben?” Er sprach hastig und zerstreut. Seine Finger spielten nervös auf der Tischkante.
„Da werden Sie nichts Interessantes zu hören bekommen! Vorgestern sind die Schwestern und ich über die Berge gegangen. Das Wetter war zu schön. Man konnte nicht denken, daß es so wie heute kommen würde. Wir waren auf dem Schweikhartshof, hin und zurück zu Fuß. Gestern” — sie stockte — „gestern war ein Tag wie alle.”
„Das tut nichts! Erzählen Sie doch! Vom Morgen bis zum Abend! Gerade, wie Sie so einen Alltag verbringen, will ich wissen!” Es klang etwas Herrisches in seinen Worten, das Marga aufblicken machte. „Das möchte ich gern wissen,” verbesserte er sich.
Sie gehorchte. Langsam berichtete sie die Tagesereignisse. „Und gegen Abend —” Hier stockte sie wieder.
„Was war gegen Abend?”
„Gegen Abend gingen Elli und ich spazieren. Das heißt, Papa schickte uns zu einem Kollegen, und wir kamen tüchtig in den Regen.”
„Wo denn?” forschte er hartnäckig.
Jetzt hob Marga ihren Kopf mit eigentümlicher Bestimmtheit auf. Sie antwortete nicht. Mit einem unwilligen Ruck stand Perthes auf. Beinahe hätte er den Tisch umgeworfen. Er trat an die Scheiben und blickte hinunter in den Vorgarten, wo der Regen von den Bäumen tropfte. Ungestüm strich er den krausen schwarzen Bart und blies einen pfeifenden Laut durch die Lippen. Dann brach er los. „Sie wollen wissen, warum ich Sie und Fräulein Elli nicht grüßte?” stieß er wütend hervor.
Marga fuhr emsig in ihrer Arbeit fort.
„So fragen Sie mich doch!” knirschte er gequält.