Elli besann sich nicht lange. Das Haustor erreichen, die Stufen hinaufspringen und auf Marga zueilen, war eins.

„Da, Margakind, da!” Sie schob den duftenden Strauß der Schwester so heftig entgegen, daß diese betroffen zurückfuhr.

„Aber was ist denn nur?” stammelte Marga.

„Von Doktor Perthes!” erklärte Elli außer Atem und triumphierend. Dann wiederholte sie getreu seine Worte: Dem Freund sei geholfen. Er danke der Freundin!

Und Marga ergriff das lockere volle Gebinde mit zitternden Händen. Sie vergrub ihr Gesicht tief, tief in die roten und weißen Rosen ...


[6]

Es war erst Anfang Juli und noch vier Wochen bis Semesterschluß. Trotzdem hatte Vater Richthoff, unerwartet und überraschend, beschlossen, zu reisen. Er brach seine Vorlesungen und Seminarübungen ab. Als ausgemachte Sache verkündigte er seinen Mädels, daß er nach Kissingen fahre. Käthe solle ihn begleiten. Es war Mittwoch. Bis spätestens Montag müsse man fahren können.

Kein Wunder, daß dieser allerhöchste Ukas das Haus am Wenzelsberg von oben bis unten umkehrte. Die Mädels hatten, zum mindesten in der Idee, so viel zu tun, daß sie gar nicht wußten, wo anfangen. Es galt nicht nur tausend Dinge zu besorgen, sondern, was noch viel zeitraubender war, zu bereden. Nach den Gründen zu forschen, die den jähen Aufbruch des alten Herrn veranlaßten, getrauten sie sich nicht.

Diese Gründe würde der alte Herr auch keinesfalls verraten haben. Sie waren ihm selbst erst zwei Tage vor dem Entschluß einleuchtend gemacht worden. Und zwar vom Arzt. Seine „Bande” brauchte von der fatalen Vorgeschichte nichts zu wissen.