Eine Aussprache — Käthe war eine Meisterin in „Aussprachen” — war unvermeidlich. Sie faßte sich indessen erst nach dem Abendbrot ein Herz.

Während Elli für Vater Richthoff dies und das, was ihm jetzt erst als Neuestes und Wichtigstes einfiel, herbeiholte, nahm sie Margas Arm und lud sie zu einem Gang auf den Weinberg ein.

Einträchtig stiegen sie aufwärts, da und dort an den Stachelbeerbüschen und Johannisbeersträuchern im Vorbeigehen naschend.

Käthe schmiegte sich mit einer Zärtlichkeit an Marga, wie sie ihrer herberen Art sonst nicht eigen war.

Marga ahnte nichts. In ihrer Seele war, zumal jetzt, wo die Trennung ihre Empfindungen mit einer zarten Melancholie begleitete, kein Platz für Argwohn oder Mißtrauen. Noch nie war sie so sicher im Gefühl ihrer inneren Unendlichkeit und ihrer äußeren Begrenztheit gewesen wie in diesen Tagen, die ihr die Freundschaft mit Perthes vertieft und bereichert wiedergeschenkt hatten. Noch nie hatte aber auch ein Mensch, geschweige ein Mann, sie so in ihrem eigensten Wesen geachtet, wie er es jetzt tat und in jedem Wort, jeder Handlung ausdrückte. Das gab ihr eine zufriedene Heiterkeit, die sie wärmte und von innen nach außen verklärte.

Sie waren jetzt auf dem Philosophenweg angelangt. Atemholend nach der Steigung, schritten sie langsam in dem Laubengang von einem Ende zum anderen. Die Sonne lugte noch golden durchs wilde Reblaub. Von weiter unten im Garten, wo es unmerklich dämmerte, hörte man vorlaute Grillen zirpen und wieder verstummen.

Käthe fand den Moment gekommen, um ihr Anliegen vorzubringen. Die Überlegung hatte ihr feinliniges Gesicht etwas verschärft, die Erregung es leicht gerötet. Sie strich sich über die Stirn und das wohlgeordnete dunkle Haar. Dann legte sie die freie Hand in die Hüfte, als wollte sie sich auch äußerlich einen gewissen feierlichen Halt geben.

„Setzen wir uns ein wenig, Margakind.” Sie brauchte diesen Schmeichelnamen, der von Elli stammte, fast nie; heute drängte er sich ihr unwillkürlich auf die Lippen. „Ich möchte noch etwas mit dir reden. Etwas sehr Ernstes, Zartes, was außer uns niemand hören darf.” Sie führte Marga zu der Bank, die am nächsten Ende des Ganges stand.

Dort ließen sie sich nieder, und Käthe nahm Margas rechte Hand in die ihrige.

Marga wußte nicht, was diese Vorbereitungen bedeuten sollten. Sie gab sich geduldig darein und horchte mit einem halb neugierigen, halb verwunderten Lächeln.