„Sei du mal ganz ruhig, Margakind! Ich weiß jemand, dem es schon greulich leid ist, daß er einen gewissen anderen Jemand nicht doch, wie sich's gehörte, benachrichtigt hat!”

„Da irrst du dich, Kleinchen!” versicherte Marga ernsthaft.

„Na, wenn ich dein Doktor wäre, ich würde mich für so eine Freundschaft bedanken. Gott, wenn ich denke” — Elli fädelte eine neue Farbe für ihre Stickerei ein und sah die Schwester dabei halb kritisch, halb schelmisch von unten herauf an — „du müßtest eine schrecklich biedere und gestrenge Hausfrau abgeben, Marga!”

„Schwatz' doch keinen Unsinn, Kind!” wehrte Marga, leicht errötend.

„Oh, Gedanken sind zollfrei!” fuhr Elli unbeirrt fort. „Freilich, wenn du immer so spröde und tugendsam mit deinen Verehrern bist wie in letzter Zeit mit Perthes, hat's damit gute Weile.”

„So sprich doch nicht so laut!” mahnte Marga. „Und nenne wenigstens keine Namen! — Ich bin doch zu ihm wie immer,” setzte sie nach einer Weile zögernd, fast fragend hinzu. Hatte sie sich in jüngster Zeit weniger frei und natürlich gegeben, dann war nur der Stachel daran schuld, der von der Aussprache mit Käthe in ihr zurückgeblieben war ...

Elli erriet ihre Gedanken. „Von Käthe hätte ich mich nun schon gar nicht ins Bockshorn jagen lassen,” sagte sie überzeugt. „Abgesehen davon, daß ihr Benehmen gegen dich haarsträubend taktlos war, hat sie so altertümliche und hausbackene Ansichten, daß —” Elli stockte. Sie bog einige Zweige des Gebüsches auseinander. Dann fuhr sie geräuschvoll in ihrem Stuhl zurück. „Da haben wir die Bescherung!” rief sie mit halblautem, aufgeregtem Kichern.

Ehe sich Marga nach dem Wesen dieser Bescherung erkundigen konnte, klang ein kräftiges „Guten Abend, die Damen!” zu dem versteckten Tisch.

Im nächsten Augenblick schwenkten sich mit zeremoniellem Gruß zwei Hüte.

Perthes und Wilkens, in traulichem Verein, standen im Bereich der Haselbüsche.