„Vielleicht,” stammelte Marga zaghaft. Es kostete sie eine schmerzliche Überwindung, dieses vor der Vernunft wahre, vor ihrem Herzen unwahre Wort hervorzubringen.

„Sie vergaßen dabei zu überlegen, ob Sie Ihrem Freunde ebenso unentbehrlich sind,” erwiderte Perthes knapp und mit einem Anflug von enttäuschter Bitterkeit.

Die Unterhaltung stockte.

Elli ergriff die Gelegenheit, um Wilkens einen Gang nach der „Menagerie” vorzuschlagen. Die Wirtsleute der Sägemühle hatten im Wirtschaftshof ein paar Kaninchen, einen Fuchs, allerhand Geflügel und vor allem ein junges Rehzicklein, das Ellis besondere Gunst genoß und Wilkens gezeigt werden mußte. Sie hatte nebenher den Gedanken, die beiden, Marga und Perthes, würden sich allein schneller und besser „zusammenzanken”. So pflegte das wenigstens immer bei ihr und Wilkens zu sein.

Diesmal irrte sie sich.

Perthes verstand Margas Verhalten, das ihm plötzlich und willkürlich verändert erscheinen mußte, nicht. In den letzten Wochen nach dem Bruch mit Hilde König und der stürmischen Freundschaftskrisis mit Marga hatte er sich stetig gesünder gefühlt. Dies ungezwungene, vertrauensvolle Beisammensein gab ihm Ruhe und Gleichgewicht. Es stärkte in ihm den Glauben an einen gewissen Wert seiner Persönlichkeit. Lebenslust und Frohsinn kehrten ihm zurück. Er gab sich im einzelnen keine Rechenschaft über die Fortschritte seiner Genesung. Nur daß er seine Dankbarkeit ohne Rückhalt zur Schau trug. Ohne es zu wollen und zu beachten, übertrug er etwas von der Leidenschaftlichkeit, die er in seine phantastische Neigung für die kleine Ufernixe gelegt hatte, auf seine Freundschaft. Ein halber Mensch, wie er selbst sich so gern schalt, mußte er doch immer seine ganze, ungeteilte Person einsetzen, wenn er, was freilich selten genug geschah, sich einem anderen über das Maß alltäglichen Bekanntseins näherte. Und er war dann im Fordern ebenso rücksichtslos, als er im Geben unbedacht war.

Wenn er gewußt hätte, wie seine letzten, verbittert hervorgestoßenen Worte auf Marga wirken mußten! Welchen Aufruhr sie in ihre Seele warfen!

Was wollte er damit sagen? Wie tief ging dieser Vorwurf ihm selbst? Ob er, unbewußt, doch angefangen hatte, mehr für sie zu empfinden, als die Freundschaft schuldig war?

Diese Gedanken wälzten sich quälend in Marga. Sie weckten eben die Gefühle, die sie so tapfer niederhalten wollte und mußte. Sie zehrten von neuem, stärker und gefährlicher als je, an der Kraft, die zu bewahren — freilich mit halben Mitteln — sie eine Trennung herbeizuführen gesucht hatte.

Eine dumpfe, wehvolle Angst arbeitete in ihr.