„Mich beruhigen? Was heißt das?” fragte Hammann etwas lebhafter, während er sich im Sessel halb aufrichtete, den Kneifer auf die Nase drückte und nun seinerseits den Sprecher mit einigem Mißtrauen ansah.

Markwaldt merkte, daß er — freilich nicht ganz zufällig — eine unvorsichtige Wendung gebraucht hatte, und beeilte sich, kein Mißverständnis aufkommen zu lassen. „Wie ich höre,” erklärte er mit geheimnisvoller Wichtigkeit, „soll Perthes einer von den Richthoffstöchtern den Hof machen.”

„Richthoff? Richthoff — wer ist das?” Hammann besah sich gelangweilt seine eleganten Fingernägel. Er kannte kaum die Professoren seiner eigenen Fakultät, geschweige denn die der anderen.

„Richthoff ist, soviel ich weiß, Ordinarius für alte Geschichte oder einen ähnlichen Klumpatsch,” erläuterte Markwaldt.

„Ach sooo ...”

„Es sind, glaube ich, drei oder vier Mädels. So die richtigen philosophischen Putchen —”

„Na — denn man zu!” Hammann erhob sich. Die Sache interessierte ihn nicht länger. Er reckte seine schlanke, muskulöse Figur, die Figur des wohltrainierten Vierzigers, die im Gegensatz zu Markwaldts dicker, praller Stutzererscheinung weltmännisch-elegant im Sportjackett saß. Er ging nach seinem Arbeitskabinett nebenan. „Hörten Sie übrigens schon etwas von den Badener Rennen? Wann — wie — was?” fragte er unter der Tür, den Kopf zurückwendend.

„Noch nicht eine Silbe!” versicherte Markwaldt diensteifrig, während er vom Tisch mit plumper Grazie auf den Boden hüpfte.

Professor Hammann zog die farblosen Brauen über den grauen Augen in die Höhe, tippte den ebenso farblosen, kurzen Schnurrbart mit den Fingerspitzen und verschwand. Er zog die Tür hinter sich zu, um völlig ungestört sein Berliner Sportblatt zu lesen. So lange konnte die Arbeit ruhig noch warten.

Markwaldt, sich selbst überlassen, machte sich pomadig an sein Präparat.