„Das erstemal vor einigen Wochen. Da rannten Sie mit einem Armvoll Rosen an mir vorbei, als hätten Sie mich noch nie gekannt.” Sie reichte ihm mit handkußheischender, ungezwungener Bewegung die Hand von Rad zu Rad, während sie ihn mit einem herausfordernden Blick von Kopf zu Fuß oder vielmehr, wie dies ihre Gewohnheit war, von Fuß zu Kopf musterte.

Perthes begnügte sich mit einem flüchtigen Händedruck. Nichts kam ihm ungelegener als dies Zusammentreffen, und er gab sich keine Mühe, sein Mißbehagen zu verbergen.

Alice, die seinen Widerstand sofort heraus hatte, fuhr noch langsamer und zwang ihn, mit ihr gleiches Tempo zu halten.

„Das zweitemal, wo Sie mich schnitten,” fuhr sie mit gemächlicher Harmlosigkeit fort, „gingen Sie mit einem blonden Herrn, der ungemein jovial und lustig aussah, im Geschwindschritt über die Brücke nach der Altstadt. Papa und ich fuhren im Automobil an Ihnen vorbei. Das war vor fünf, sechs Tagen.”

„Aber Sie führen ja geradezu Buch über meine Unterlassungssünden!”

„Das drittemal heute, Doktor. Ist das etwa Absicht — Herr Perthes?” Sie sah ihn nicht an, aber rundete auf eine maliziöse Art ihre spitzbübischen Lippen.

„Gnädiges Fräulein,” wehrte sich Perthes, „ich bitte tausendmal um Vergebung! Ich bin völlig unschuldig! Denn —”

„Na — ob Sie so sehr unschuldig sind,” bemerkte Alice mit einem vieldeutigen Seitenblick, „ist 'ne Frage für sich! Wo wollen Sie denn eigentlich hin?”

„Ich fahre spazieren,” erwiderte Perthes hastig.

„Spazieren?” wiederholte sie ungläubig-gedehnt. „Das trifft sich ja famos. Ich fahre nach dem Stift. Wir wohnen jetzt ein paar Wochen draußen. So ab und zu wohnt sich's ganz nett in dem alten Rumpelkasten. Sie kennen doch Stift Nieburg?”