Das Murren wuchs. „Zunächst zur Klärung,“ setzte er hinzu, worauf er, seiner Haltung wegen, vor Balrich hintrat und ihm den Daumen in die Augenhöhle und von unten gegen den Knochen drückte. Der Daumen stank. Balrich, dem es vor Wut schwindelte, hob schon die Hand. Mit aller seiner Kraft zwang er sich nieder — kalt vor Schrecken bei dem Gedanken, was geschehen wäre.

Dem Oberinspektor erläuterte der Medizinalrat:

„Er soll sich sogleich in der Heil- und Pflegeanstalt melden. Auf die Herren dort können wir uns verlassen.“

Eine Stimme rief: „Das ist das Irrenhaus!“ — worauf aus dem Murren ein offener Lärm ward. Der Medizinalrat zuckte auf, er machte einige Schritte wie ein Tanzbär; „ich telephoniere gleich hin,“ rief er, eilig aufbrechend. Erst jenseits der Schwelle ward er allmählich wieder aussehen wie die Kolossalstatue des siegreichen Feldherrn.

Balrich in dem Lärm bewegte sich umher und beruhigte. „Ich gehe einfach hin, sie können nichts machen, ich komme schon wieder;“ — und als alle Hände gedrückt waren, ging er.

Auf der Landstraße, weit ausschreitend, steigerte er noch seinen Mut. Wie sie ihn fürchten mußten, daß sie ihn zu unterdrücken versuchten auf solche ungeheuerliche Art! „Sie sind verloren und wissen es, sonst würden sie dies nicht wagen. Zu viele kennen doch den Tatbestand, es kommt in die Zeitung. Wahnsinnig sind sie selbst!“

In den ersten Straßen der Stadt kam ihm ein Gedanke, der ihm auffiel. „Sonst holte ich mir dort drinnen die Schulbücher. Jetzt gehe ich mit dem was ich gelernt habe, in das Irrenhaus.“ Hierbei spannte es sich ihm kalt in der Magengrube, er ging zögernd — dann aber um so schneller, und naß vom Laufen kam er an.

Beim Pförtner vorüber, wollte er in einen Gang eindringen, der aber verschlossen war, und nicht einmal einen Griff hatte die Tür. „Da gehören Sie hoffentlich nicht hinein,“ rief der Pförtner und schickte ihn hinüber in die Aufnahmeabteilung. Hier ging man ungehindert durch weiße, lange Gänge, bequemer und reinlicher als die im Haus B. Pflegerinnen in steifen Flügelhauben rollten in jedem Stockwerk Karren mit Essen hindurch. Im höchsten, an einem Tisch ein junger Herr in weißem Mantel schrieb und sprach gleichzeitig. Der Arbeiter wagte nicht Halt zu machen, der Herr selbst rief ihn an.

„Herr Balrich!“ rief er.

Da stand nun Balrich, drehte seine Mütze und zog die Brauen zusammen. Der junge Blonde sah ihm aufmerksam in die Augen, aufmerksam, nicht feindlich, und sprach dazu, — schien aber selbst nicht zu hören, was er sprach.