„Also setzen wir uns?“ fragte der Arzt nochmals. Da ging Balrich steif auf den Sessel zu und setzte sich auf die Armlehne.

„Weil es schon gleich ist,“ dachte er dabei. Der Arzt schien es nicht zu bemerken, er warf den Kopf in den Nacken und sagte in die Luft:

„Fühlen Sie sich krank? . . . Nein? Kein Blutandrang oder Schwindel? Nein? Aber Sie haben sich doch nackt in Ihr Fenster gestellt,“ sagte er plötzlich mit Nachdruck und prüfend den Kopf gesenkt. Balrich saß starr. Dann war alles eine Falle gewesen? Der da hatte sich zum Schein auf seine Seite gestellt, eine gemeine Falle! Wütend warf er sich nach vorn, die Faust war schon gemacht. Da sah er den andern hinter sich fassen, nach der Klingel — und fühlte sich weiß werden, angesichts der großen Gefahr. Statt der Faust zeigte er eine bittende Handfläche.

„Es ist nur,“ bat er, „weil schon der Medizinalrat mich damit hat reizen wollen. Das hält man doch nicht aus, wenn alle mir vorhalten, was die Spitzel sagen. Bei uns sind Spitzel, Sie wissen das nicht.“

Der blonde Herr hatte wieder sein harmloses Gesicht. Er wehrte begütigend ab, weil Balrich die Sätze gar so gewaltsam hervorstieß und nun so rot ward.

„Das kann ich freilich nicht wissen,“ bestätigte er. „Darum müssen Sie sich nicht aufregen.“

Er setzte sich bequemer. Balrich tat folgsam das Gleiche.

„Unterrichten Sie mich, bitte,“ begann der Arzt. „Wie leben Sie in Gausenfeld?“

Der Arbeiter sagte verbissen:

„Schlecht. Ausgebeutet, geknechtet und wie das Vieh zusammengesperrt.“