Er vertrat seinen Vater, den Generaldirektor, aß freilich nicht, stand aber oben an der längsten der Tafeln, in der Hand ein Glas Bier. Der Arbeiter Dinkl, wie es seine Art war, schob dienstfertig dem jungen Herrn einen Stuhl hin — und so fest in die Kniegelenke hinein, daß es klar war, er sollte knicken. Horst Heßling knickte aber nicht, er hielt die Knie durchgedrückt. Er drehte nur die Schultern herum und sagte: „Durchaus nicht, mein Lieber,“ — was den Dinkl dann freilich Achtung lehrte.
Andere, bewogen durch Jauner, machten sich heran und erbaten die Ehre, daß sie auf das Wohl des jungen Herrn ein Glas dürften leeren. Horst Heßling erhob, ihnen zutrinkend, das seine bis an sein Monokel, — was ihnen schmeichelte. Viele stimmten heute darin überein, daß er mit seinem Vater nicht vergleichbar und in seiner Person die Gewähr besserer Zeiten sei. Die Verheißung des Arbeiters Balrich, gebunden an Arbeit, Willen, langewährendes Vertrauen, wurde übertönt heute von Blechmusik, dem Lärmen des billigen Glückes. Balrich, dahinten eingeengt, stand nicht hoch im Wert. Nur Heßling Vater mußte abfahren, und hoch Heßling Sohn!
Der Erbe ließ auf den Tisch einen Stock niedersausen, daß die Weiber, die nahe saßen, aufkreischten; dann in der jähen Stille, die Handballen auf den Tisch gestützt, sagte er scharf: „Leute!“ — sah sich herausfordernd um und sagte es nochmals.
„Leute! Das Haus, dessen Richtfest wir heute feiern, erinnert gewiß auch euch daran, daß hier früher überhaupt keines stand.“
Balrich dahinten in der Enge verachtete den kühn blickenden Erben wegen dieses Satzes. Er verstand nicht völlig; ihm schien es, der Erbe gehe die Geschichte Gausenfelds durch, „auch nur eine Klitsche“, bis „mein hochverehrter Herr Vater“ „die Zügel in seine feste Hand nahm“ und dem Unternehmen „den Schwung seines Geistes aufdrückte“. Mit erhobener Stimme:
„Und nun seht mal, wie es sich entwickelt hat. Nicht wiederzuerkennen! Und woran liegt es? Einzig an der Führung!“
Ein Vergleich sollte dies erweisen, der Vergleich mit dem großen Ganzen. Wenn der Erbe in der Schule von dem Deutschen Reich lernte und seinem glänzenden Aufschwung unter der berufenen Führung, dann habe er immer an Gausenfeld denken müssen und „meinen Herrn Vater“. Mit erhobener Stimme:
„Wie es in Gausenfeld aussieht, sieht es auch im Reich aus, und immer wird noch angebaut, das Haus C beweist es. Wir schreiben 1913.“
Der Erbe machte eine Pause, um nachzuzählen. „Wir schreiben 1913, und in den letzten zwanzig, fünfundzwanzig Jahren ist die Sache gemacht worden. Papier haben wir fabriziert in Gausenfeld, daß wir die ganze Welt damit zudecken können. Und vielleicht werden wir auch einmal etwas fabrizieren, was unser Reich noch notwendiger braucht.“
Hier wieder eine Pause, und dann das Glas schwingend, mit gesammelter Kraft: