Die Geschwister fühlten: „Die Herrschaften, weil wir da sind, machen sich zueinander mehr Lust.“ — Nur wagten sie keinen Widerspruch.
Einem Diener, der droben hervorkam und sich fächelte, befahl Horst mit Kommandostimme, Tee zu servieren auf der Terrasse. Vorher fand er es angezeigt, durch den Park zu spazieren. Dieser Meinung war auch Kraft, der sich einfand und an Zuversicht gewonnen hatte. Hohl, aber höhnisch bemerkte er:
„Wer auf eine Besitzung reflektiert, sieht sie sich vorher an.“
Dann machte er sich aber nahe an Balrich heran und sagte nur für ihn: „Hier können Sie mir nichts mehr tun, Sie Muskelmensch, — obwohl ich eigentlich ach so gern Furcht habe.“ Mit weiblichem Ton, wie die Anklam, und sogar ein Schmiegen deutete er an mit der Schulter.
Man gelangte zu einem Brunnen mit Venus, „Göttin der Schönheit und der Liebe, ist ja bekannt,“ erklärte Horst den Besuchern; und gleich darauf zu der „Borkenhütte“. Hier wendete sich Kraft an die Gäste.
„Dies halten wir für den besten Platz zum Aufstellen der Maschinengewehre,“ erklärte er, frohlockend in seinem Verfall.
Zurück vor der Terrasse, fanden sie den Tisch gedeckt, aber schon besetzt. Unter den schaukelnden Rosengewinden lehnten heiter in sanft knarrenden Korbsesseln die Damen Heßling, Mutter Guste, Tochter Gretchen; sodann hatte sich eingestellt Frau Emmi Buck mit ihrem Hans, der sie unterhielt, als sollte sie nichts hören und sehen, — und auch die Anklam war schon da und hatte sicher erzählt, wenn man wüßte was. Horst und Kraft wurden besorgt. Mit seinem Bauch an einer Rosensäule, äugte Klotzsche, Verlobter Gretchens, entrüstet her. Kraft wollte sich drücken; aber Horst, mit einem Stoß, beförderte ihn hinauf. Der Leni hielt er sogar den Arm hin; aber sie nahm ihn nicht.
„Voilà,“ sagte Horst, wie einer im Variété, der fertig ist mit seinem Kunststück. „Unsere Gäste.“
Kaltes Schweigen allerseits. Gretchen kicherte vielleicht, aber bei ihr wußte man nie. Ihr Verlobter, zur Sicherheit, strafte sie mit dem Blick. Emmi Buck, sichtlich bestürzt, zog sich auf ihrem Stuhl zurück bis in die Türnische, — wo auch ihr Gatte erschien, mit einem aufmunternden Lächeln, als sagte er: „Was geschehen ist, ist geschehen.“
Die Anklam gebrauchte ihr Lorgnon, um Ironie und Wohlgefallen zu bekunden. Guste, die Majestät der Versammlung, legte in dasselbe Instrument ihren Zorn und den allerhöchsten Zweifel, ob man sie etwa zu verkennen wage. Aufrecht in ihren Spitzen, Schleifen, Perlen und Steinen saß sie da, Busen und Bauch vereinte das Korsett zu einem einzigen, stolzen Gebilde. Ihre Nase freilich war eine Kartoffel, wie die des Herbesdörfer.