„Mein Sohn,“ herrschte sie. „Was heißt dies, mein Sohn.“ Und bevor Horst sich weiter vergessen konnte: „Deine Mutter verdient mehr Achtung.“
„Mit ihren schneeweißen Haaren,“ bemerkte Gretchen, schleppend, ob infolge von Bleichsucht oder aus Hinterlist.
„Mein Sohn Kraft,“ — Guste mit beringten Wulstfingern winkte ihn heran, „steht allem Unpassenden fern, das weiß ich,“ — wobei das Lorgnon vernichtend auf Leni fiel. Dann hielt sie dem Liebling die Wange hin. „Trinke deine Milch, mein Kraft, du hast dich angestrengt;“ und durch eine Wendung ihres Sessels gab sie zu verstehen, daß der Zwischenfall für sie abgetan sei, sie kehre zurück in ihre wohlgeordnete Welt. Sie übersah es kurzweg, daß jene Person sich setzte, — weil ein Diener, auf wessen Wink wohl, ihr den Stuhl hinschob. Leni ohne Umstände fiel hinein, daß es krachte. „Uff, es war Zeit,“ äußerte sie, wandte die aufgeworfene Nase umher und schlug die Beine übereinander, nicht ohne Mühe in dem Kleid.
Horst, der nichts mehr zu verlieren hatte, brachte ihr selbst eine Tasse Tee, er würde sie auch haben rauchen lassen. Der Rechtsanwalt Buck indessen riet ab; es gebe Grenzen. „Immerhin,“ sagte er zu Balrich, der starr hinter seiner Schwester stand, „Zutritt haben Sie nun schon erlangt.“
„Sie meinen, dabei bleibt es?“ fragte Leni über ihre blonde Schulter. Buck meinte:
„Jetzt setzen wir uns hier in Verteidigungsstand.“
„Nützt nichts,“ sagte Leni.
Aber da erschien auf der jenseitigen Treppe eine Helmspitze. In kriegerische Farben getaucht, folgte das Gesicht des Generals v. Popp, — und unter dem Schutz seiner gepolsterten Schultern der Hausherr.
„Nanu?“ bemerkte der Hausherr. „Hier ist Maskerade?“
„Das wirst du, mein Freund,“ versetzte Guste, und mit königlichem Nicken: „das werden Sie, Exzellenz, genauer unterscheiden können als eine Hausfrau, die noch die altmodische Gepflogenheit hat, ihr Haus reinzuhalten.“