Der Kapellmeister sprang auf und lief durch das Zimmer. Der Cavaliere Giordano trat an das Fenster.
„Hier hat man einen weiten Horizont“, bemerkte er. „Die vielen Dächer bergab, und in der Dämmerung drunten, weithin verstreut, die Lichter. Sie haben es gut, Maestro, Sie sind jung.“
„Wenn es nicht dunkel wäre, würden Sie sogar zwischen jenen blauen Nebelwänden, die Berge sind, das Meer erkennen. Ich habe es bei meiner Arbeit immer vor mir, als das Zeichen und das Versprechen meiner Zukunft, eines weitreichenden Schicksals, der Unendlichkeit des Ruhmes!“
„Gewiß ist es Ihnen bestimmt, Maestro, über das Meer zu fahren und mit Säcken voll Dollars zurückzukehren.“
„Sie waren drüben, Cavaliere.“
Der berühmte Tenor bewegte die Hand, als schöbe er dieses Erlebnis zu den geringeren.
„Meine besten Jahre hatte ich in Rußland. Um mich in Petersburg singen zu hören, bestellten die Leute telegraphisch Plätze von Moskau aus und von der Krim. Während der ‚Gioconda‘ kam der Kaiser zu mir auf die Bühne; und am Abend meiner letzten Vorstellung schickte er eine Militärkapelle vor mein Haus und eine an den Eingang des Theaters. Das alles aber ist nichts, wenn ich mich erinnere, wie es war, als ich zwanzig war. Zusammen mit dem Mustafà und dem Rosati sang ich zu Rom in der Kirche Santa Maria in Vallicella den Sant’ Eustachio, ein Oratorium des Maestro Salvatore Capocci: und wie ich fertig war, begannen die Gläubigen wütend zu klatschen und ‚bis‘ zu schreien. Die bewaffnete Macht mußte eingreifen und sie beruhigen.“
„Als Sie zwanzig waren“, wiederholte der Kapellmeister.
„Ja“, sagte der Alte; und als sei er allein:
„Es ist nun bald fünfzig Jahre her.“