Frau Acquistapace begriff ihn.
„Wir sind leider wenige, Reverendo. Die ganze Stadt haben wir hinaufpilgern sehen. Welche Schande! Viele waren dabei, die versprochen hatten, zurückzubleiben. Was soll man von der Nonoggi sagen, die ihrem Manne nachgelaufen ist. Ob das nicht zwischen ihnen eine abgekartete Sache war?“
„Schien es doch auch mir“, machten die andern.
„Und die Jole Capitani hat es trotz allen Ihren Ermahnungen, Reverendo, kaum erwarten können. Der Advokat Belotti hat sie abgeholt, was man bei der Frau eines Arztes eigentümlich gefunden hat . . .“
Don Taddeo erklärte durch eine schmerzliche Geste, daß ers wisse.
„Von allen guten Familien“, schrie die Frau des Kirchendieners, „haben nur die Nardini dem Übel widerstanden . . . außer dem Hause Acquistapace,“ setzte sie hinzu, da die Frau des Apothekers sie furchtbar ansah.
„Auch die gute, heilige Frau Camuzzi“, sagte der Schlosser Fantapiè, „bleibt der Sünde fern. Niemand wird sagen wollen, daß sie das Haus verlassen habe.“
Alle bestätigten es; nur Don Taddeo schwieg und senkte den Kopf. Denn er hatte sein Beichtkind aus dem Häuschen der Wäscherin Grattalupi in die Treppengasse schlüpfen, mit gerafften Röcken hineingleiten und hurtig verschwinden sehen. Vom Hofe des Rathauses mußte sie zu dem Häuschen hinaufgeklettert sein, obwohl die alten Stufen nur Geröll waren, und heimlich war sie der Wollust nachgelaufen. Vielleicht enthielt dann auch Wahrheit, was die Evangelina Mancafede über Frau Camuzzi und den jüngsten der Komödianten wissen wollte?
Don Taddeo fuhr auf; ein Bild, das ihm wieder vor Augen kam, machte ihn weiß und wirr.
„Wir werden alle verderben,“ stammelte er, „und jene, die sie Italia nennen, ist von allem Unheil das ärgste!“