Man hielt den Atem an, und man hörte den Doktor Ranucci sagen:
„Was tun Sie?“
Er griff sich an den Kopf.
„Sie schicken mich zu einem Kranken, der seit einer halben Stunde wieder auf den Beinen ist, und inzwischen —“
Unversehens rötete er sich heftig; er tat einen drohenden Schritt. Der schöne Alfò wich — und sein törichtes Lächeln verging ihm — bis an die Brüstung zurück. Wie der Doktor die Hand ausstreckte, war er schon hinüber und sprang in den Saal.
„Bravo, Alfò!“ rief man, was den Doktor zu erbittern schien. Voll Wucht trat er zwischen seine Frau und Galileo Belotti, der mit hohen Augenbrauen unverfroren weiterpolterte.
„Pappappapp, krank oder gesund, aber die Bekanntschaft Ihrer Frau haben wir gemacht. Mein Kompliment, Doktor, ein schönes Stück Frau . . .“
Er gurgelte; denn der Doktor hatte eine Faust in seinem Munde, und mit der andern griff er ihm ans Gebiß. Galileo brüllte dumpf: — da schwang der Doktor einen Zahn. Klatschen erhob sich; dann ward ein Sturm daraus, und Ranucci mußte sich verbeugen. Galileo war verschwunden.
„Siehst du, Ottone, wie es dir ergangen wäre?“ sagte Frau Giocondi. Ihr Mann hatte die Hand an der Wange, als wäre der Eingriff bei ihm selbst vollzogen worden. Er suchte die Augen der Töchter. Rosina hielt die ihren im Schoß, Cesira hatte zwischen den gekniffenen Lidern ein dünnes, spitzes Lächeln. Der Vater stieß mit dem Fuß einen Schemel fort und schalt:
„Nun, eine Krankheit wäre auch das noch nicht!“