„Nein! ich kanns nicht. Wir steigen nicht weiter hinab. Jenes Gebüsch verdeckt einen Vorsprung des Felsens; es steht eine Bank dort.“
Auf seiner Brust:
„Wie oft, o Nello, habe ich mich, als ich Kind war, an dieser Stelle vor den andern versteckt, vor Gespielinnen, die mich holen wollten. Ich fühlte mich von ihnen verschieden. Wenn sie später vom Heiraten sprachen, dachte ich: ‚Mein Gatte wird also größer sein, als die euren alle‘ . . . Nun gehöre ich dir; und das scheint mir noch seltsamer, furchtbarer und süßer, als wenn ich Christus gehörte.“
„Du machst mir beklommen, Alba. Denn ich, ach, ich bin wie alle. Wir sind so viele in Verona, die das Singen lernen und durch das Land ziehen. Ich bin arm. Glücklich war ich, wenn ich vier Monate im Jahr singen durfte für wenig Geld. Die übrige Zeit sah ich den Himmel an und ließ das Leben vergehen. Was aber geschieht mir, seit ich dich liebe!“
Sie löste sich von ihm, richtete sich auf, sah gerade aus. Ihr bleiches Profil, die Nase zierlich und scharf gebogen, das Kinn in gerade Schatten gefaßt, erblickte er im düstern Glanz des Auges geschliffen wie einen Dolch.
„Wirst du mich immer lieben?“ fragte sie und sah ihn an. Er drückte die Lider zu, betastete das Herz, als schmerzte es, und schüttelte heftig den Kopf.
„Immer.“
„Sage mir, welche Frauen du vor mir geliebt hast!“
„Keine! keine! Ich schwöre es dir. Ich weiß von keiner andern Frau, ich werde von keiner wissen. Alba, wie ich dich liebe!“
„Nello, wie ich leide!“