Alle drängten sich zusammen unter den Rathausbogen, im schmalen Schatten der Leinendächer: nur er hatte das weiße Gesicht mit den scharfen kleinen Spitzen der Wimpern nach der Sonne gebreitet, und wenn die Leidenschaft der Töne seinen Kopf schüttelte, schwankte ihm das Haar, düster glänzend, in die Stirn.

„Immer die ‚Arme Tonietta‘“, sagte der Herr Giocondi. „Diese jungen Leute wissen entschieden nichts weiter.“

„Tut nichts“, — und Polli tätschelte seine Schwiegertochter. „Da nun einmal diese in die Familie eintritt, soll sie manchmal des Abends mit dem Phonographen zusammen die ‚Arme Tonietta‘ singen, und man lädt die Freunde ein.“

„Wir wissen nicht von Schatten, noch Tod. Unser Himmel ist rein und ewig unser Glück“, schloß Nello, und sein hoher Ton dauerte, dauerte . . . Zuletzt hielten alle den Atem an und starrten, dem Schrecken nah: als schnitte durch den Himmel der unvergängliche Ruf eines Unsterblichen, eines Marmors, glühend von ungeheurem Leben.

Plötzlich sprang er herab.

„Welch tüchtiger Junge! Wir werden ihn nie vergessen.“

Alle griffen nach ihm. Mama Paradisi wogte fassungslos; sie küßte ihn laut auf beide Wangen. Wie er schwindlig unter der schwarzen Wolke ihres Hutes hervortauchte, zog Gaddi ihn in das Tor der Post.

„Auch ich, mein Nello, nehme nun von dir Abschied. Ich will dich nicht mehr warnen . . .“

Da Nello die Hand bewegte:

„Ich weiß, es wäre umsonst. Auch kenne ich keinen vernünftigen Grund, weshalb ich Furcht habe um dich. Aber ich habe Furcht. Ich ahne dich hier in einem Netz. Durchbrich es! Komm mit uns! Nein: ich weiß, daß du nicht kannst, und ich sollte schweigen. Aber ich sehe Blicke, die dich treffen, ich bin seltsam hellhörig; ich erscheine mir wie eine Frau und lächerlich.“