„Ich bin unersättlich,“ sagte er sich mit Jubel. „Es scheint, ich werde ihr niemals unterliegen. Im Gegenteil, sie bekommt mir, ich bin stärker als je. Ich habe Appetit, ich reite ohne Anstrengung, fechte mit Leichtigkeit. Ich denke an nichts — ich bin glücklich.

Darin besteht das Glück: Körper zu werden. Was mich überfeinert und entmenscht hat, war die Phantasie. Ich habe nicht nur die Frau mit dem Körper geliebt, sondern auch noch mit der Seele die Träume, die ich aus ihr machte. Es war jedesmal doppelte Arbeit, und mußte mich aufreiben. Jetzt werde ich gesund. Gemma ist kein Traum, ich selbst bin mir keiner mehr. Ich bin ein Körper im Gleichgewicht, und froh, einer zu sein . . . Ich liebe sie ohne Hintergedanken, ohne Sehnsucht, mit einfacher Leidenschaft und so, wie sie geliebt sein wollte, als sie eines Nachts in meine Arme lief! Ich erdichte nichts mehr, ich habe nur noch lebendige Vorstellungen einer schönen Körperlichkeit. Ich sehe sie in diesem Augenblick so deutlich, als wäre sie gar nicht hinausgegangen. Mein Gehirn und all mein Blut ist voll von ihrem Körper, von ihren blütenfarbenen Armen um meinen Hals, von ihren langen, zart gewölbten Schenkeln, die sich mir öffnen, von ihren getanzten Liebkosungen. Ihre Gebärden — ich bin ganz behangen damit! Ich, mein Haus, mein Garten, dieser Hügel: überall hat sie, mag sie auch fern sein, ihre Gebärden hinterlassen, die wie abgerissene Blütenzweige sind, die ich sehe, greife, und deren Duft ich einatme!“

Sie kehrte zurück, im Anzug. Sie nahmen so heißen Abschied, daß sie am Ende wieder halb entkleidet ihm in den Armen lag.

„Ich gehe nicht mehr,“ sagte sie und stampfte auf. „Wir essen zusammen.“

Er führte sie auf die Schattenseite des Hauses, in die lange Loggia, auf deren Mauern Orpheus, jung und mager, zwischen steilen, kaum knospenden Bäumen schritt, und über einem heftig blauen Meer Galathea helle Glieder wiegte. Sanft schob das Olivenfeld seine blassen Laubwolken bis unter die Bogen der Halle.

Malvolto nahm vor der Tür dem Diener die Schüsseln ab und trug sie hinein.

„Du bist zu ängstlich,“ sagte Gemma.

„Nein, ich bin eifersüchtig,“ gestand er. „Nicht einmal der arme Alte soll einen Streifen Fleisch schimmern sehen zwischen den Spitzen auf deiner Brust. Alles ist mein!“

Sie riß, ohne zu antworten, und die Zähne auf der Lippe, herunter, was sie noch am Leibe trug. Er stürzte sich mit dem Mund auf ihre Kniee.

„Habe ich dir nicht vorher gesagt,“ murmelte sie mit einem versunkenen Lächeln, „ich wolle vor dir immer nackt sein?“