Mir war sehr unheimlich zumute, ich beschloß mit dem Legaten zu sprechen. Er hatte mir doch oft über die Wange gestrichen, als ich klein war. Wie ich eintrat, sahen sie mich bedenklich an. Ich trug alte Kleider, Claudio verdiente ja nichts. Ich hatte durch das Ghetto gehen müssen, ein öliger Schmutz war an meinen Schuhen. Man holte mich aus dem Vorzimmer von den anderen Bittstellern weg und führte mich in ein Kabinett, wo ich allein war. Da ging die Tür auf und Oreste kam.
„Wie bist du braun geworden,“ sagte er. „Du bist noch viel schöner.“
Er wollte wie früher nach mir greifen, er streifte mit der Hand meine Schulter.
„Dort hat die Trikolore gelegen,“ sagte ich, und trat von ihm fort. Er faltete die Brauen.
„Du wirst bald frei sein, dein Mann lebt nicht mehr lange.“
„Ich weiß,“ erwiderte ich, „daß der und jener unterschrieben haben und gehängt sind. Aber Claudio unterschreibt nicht.“
„Jene wären auch ohne Unterschrift gehängt worden.“
„Du hättest meinen Mann gleich damals verraten sollen, wie er als Student für die Freiheit sprach. Du hättest deine Feigheit nicht so lange aufsparen sollen.“
Er blieb ruhig.
„Ich weiß, daß du mein sein wirst,“ sagte er. „Ich verlange nichts, du gibst alles von selbst.“