Sie legten einen langen Weg zurück, und Lukas hörte nichts als das Klirren des Eisernen, der vor seinem Tiere herging, er sah nichts als ein dunkelrotes Band, so oft jener den Kopf wandte.

Da bekam die Straße einen Saum von blühenden Büschen, die der Nachtwind bewegte. Hoffnungen, noch verschlafene Vögel, begannen aus der Dunkelheit herzuflattern. Hinter halb geöffneten Gartentoren bat ein weißer, steinerner Busen: „Bleibe!“ Doch drüben, wo im zweifelhaften Mondlicht der Pfad hinter dem Berge verschwand, eilte es fiebernd vorbei: ein Zug von Abenteuern, die zu bestehen waren, von Schönheit, die erlöst zu werden, von Größe, die erkämpft zu werden begehrte.

Im Morgentau, als der Tag seine ersten Rosen auf die grauen Wege warf, hielten sie hoch über Orangenhainen, aus deren Mitte die spitzen Türmchen eines Schlosses in den Himmel hineinstachen. Die Stadt stieg mit träumenden Häusern auf Felsterrassen zum Meer hinab. Es lag hinter einem Zaun von Zypressen in leerem Nebelblau. Weit hinten am Vorgebirge verwehte es wie ein Flug grauer Wandervögel; ein einzelnes Segel, das von der Küste fortflüchtete, ward von den andern eingeschlossen, und alle zusammen drängten sich um die Bergecke.

Lukas verstand nicht, wovon plötzlich seine Füße leichter wurden, wovon sein Atem höher ging. Es klirrte neben ihm; das einzige Auge des Gepanzerten war auf ihn gerichtet:

„Dianora, die Tochter des Grafen von Melfi, ist heute nacht vom Sultan der Berberei geraubt worden, und noch weiß niemand es. Der Ruf ihrer Schönheit hat ihm nicht eher Ruhe gelassen, als bis er sie auf seinem Schiffe hatte. Nun ist sie schon weit.“

„Ich hole sie zurück!“ rief Lukas und stieg den Pfad nach Melfi hinunter. Aber sein Genosse war ihm längst voraus.

Drunten standen alle Felsstufen voll bunten Volkes, das die ohnmächtigen Arme nach dem verödeten Meere ausstreckte und schallend jammerte: „Sie ist fort, wie sollen wir noch leben?“ Alle Gesichter waren bleich vor Schmerz, in alle Türen war das Unglück getreten.

„Ich hole sie zurück!“ rief Lukas, und sogleich verfolgten ihn jubelnde Scharen, die auf seine Tat warteten. Das Schloßtor ging auf, der Gepanzerte kam heraus und neben ihm der Graf von Melfi, der Lukas die Hand küßte: „Ihr holt sie zurück, Herr! So holt Ihr sie Euch selbst zurück, sie ist Euer!“

Ein kleines Schiff ward ihnen ins Wasser gezogen. Der Gepanzerte stellte sich an den Mastbaum, Lukas saß am Steuer. Keine Stimme vom Lande holte sie mehr ein, sie jagten schneller als Gedanken den Berbersegeln nach. Jene tauchten schon aus dem blauen Dunst, sie waren schon so groß wie Reiherflügel. Lukas sann: „Der Räuber ist noch nicht daheim, er hält seine Beute auf schwachem Boden, sie kann ihm entfallen.“

Der Harnisch des Gepanzerten rasselte. Sie waren ganz nahe und schauten zu, wie alle Schiffe der Heiden zerschellten. Die Bretter fielen klatschend ins Wasser, die Masten sanken um.