„Du bist nicht mächtig genug.“
Da kehrte er um und verschloß sich im Palast.
Er wanderte rastlos, Tag für Tag durch goldene Säle voll gewirkter Decken, zwischen blauen, goldgeäderten Säulen; silberne Blätterranken hingen von einer zur andern. Silberne Brunnen dufteten wie die Wunden heiliger Frauen. Lukas aber erschrak tötlich, wenn draußen in den Gartenwegen die goldenen Kiesel knirschten unter den Tritten der Sklaven, die Dianoras Sänfte trugen. Sie sang zur Laute; ihre Stimme schwankte, sanft und schwermütig, über den Schwingungen der Saiten hin, wie ein Schmetterling über einem wogenden Blumenanger. Und droben, im spitzen Porphyrrahmen seines Fensters, lag Lukas, die Faust an der Stirn.
Er schlich ihr nach, wenn sie badete, in der Abendkühle, bei der warmatmenden Aloe von Mandal, unter Zedern und vergoldeten Palmen. In der Mitte des scharlachnen Brunnens schlug ein Schwan mit silbernen Flügeln. Sie stand am Rande, nackt, mit lässigen Armen, und einen breiten Gürtel aus getriebenem Gold um die Hüften. Von ihren Brüsten tropfte das Wasser, ihr Fleisch erbebte im Schmeicheln der Abendluft. Rosiger Sonnenstaub umspielte sie; manchmal flog mit schrillem, seltsamem Schrei ein großes gold- und silberblau schillerndes Tier schwerfällig über sie hin.
Lukas’ gekrampfte Finger zerknickten die Büsche, die ihn verbargen. „Ich bin mächtig genug,“ stöhnte er, „ich will sie nehmen.“
Am Abend ging er nach ihrer Kammer. Der Vorhang war zurückgeschlagen, er erblickte sie: Ihre weißen Glieder hingen an der schwarzen Eisenbrust des Gepanzerten.
Lukas füllte darauf seine Säle mit Weibern und seinen Sinn und alle seine Gedanken mit dem Wogen großer Brüste, mit den Schlangenwindungen fleischiger Hüften, mit einem Knäul mächtiger Glieder und dem verzehrenden Lächeln breiter, blasser Gesichter.
Er ersann Martern und teilte sie rings unter die Sklaven aus; seine vorgeschobene Unterlippe zitterte, seine Hände umkrampften die Lehnenknäufe seines Thrones. Dann stahl er sich in die Kerker und flehte die Elenden an, ihm zu vergeben und seine Freunde zu sein.
Auf seinen weißen Terrassen, auf die blau und feierlich ein unerbittlicher Himmel drückte, brach er in Hilferufe aus: „Gnade! Hör’ auf!“ Niemand vernahm es als seine stummen schwarzen Eunuchen. Nichts bewegte sich als ihre rollenden Emailaugen, und Lukas stürzte, die Arme weit geöffnet, zu Boden, so daß das Juwelenband seines Hauptes auf den Marmorfliesen zersprang.
Eines Nachts tastete er sich durch finstere Gänge. Die Mordgedanken, die er hegte, glühten vor ihm her und zeigten ihm den Weg. Er kratzte an Dianoras Pforte, sie ging klagend auf, und er sah, daß es schon geschehen war: Ihr Kopf hing mit schwerem Haar über den Rand ihres Lagers, ihr Hals trug den dunkel unterlaufenen Abdruck einer eisernen Faust.