Er floh und lebte als schweifendes Tier. Er heulte ihren Namen dem Sturmwind entgegen, er fluchte ihn zum Himmel hinauf, er brüllte ihn den Ungeheuern in die Erdhöhlen hinein. Er tobte, bis sein Leib von Stahl und seine Seele erschöpft war. Allmählich sah er sie bloß noch als schwaches Traumbild an der Oberfläche seines Schlummers vorüberwandeln. Und endlich fühlte er, wenn er an sie dachte, nur mehr in dämmeriger Ferne ein paar Augen hinter sich, wie die einer sanften Geopferten, die uns von ihrer Schattenwand in stiller Kapelle immer nachschaut auf unsern Gängen durch die lauten Straßen der Welt.

Seine Miene zeigte weder Hoffnung noch Reue; aber er schlief nie anders als hinter verschlossenen Türen, denn er fürchtete, sein Schlaf möchte etwas zu verraten haben. Er war ein Abenteurer, dem nichts neu dünkte, ein Sieger ohne Hochmut und ein Genießer mit kalten Lippen.

An einem grauen Abend schritt er über ein weites Feld. Es flog darüber hin wie die Schatten von Dingen, die man nicht sah. In der Höhe bewegten sich schwer geballte Wolken. Er erstieg einen Hügel: schiefe, zerrissene Dächer erschienen ihm. Er war schon im Schatten der traurigen Burg, er stand schon unter dem Tor. Die drei Greisinnen im feuchten Saal bliesen wimmernd ihren kalten Atem in die kalte Luft. Sie sagten: „Lukas ist heimgekehrt,“ und sogleich begann des Alten hohle Stimme, die längst von den Zeiten verschlungen schien.

„Nun hast du die Welt durchkämpft, sie hat hinter dir auf den Knien gelegen, und du bist zu uns heimgekehrt, wie jeder zu uns heimkehrt. Was hast du nun weiter getan als einen Gang vors Tor?“

Da Lukas schwieg, sprach der Alte weiter.

„Du hast Gott aus der Gefangenschaft seiner Feinde erlöst, du hast Satan gezwungen, um Gnade zu flehen! Du hast Reiche erobert und das Weib zu deiner Kaiserin gemacht! Am Ziel hast du, nüchtern und ohne Stolz, erfahren, daß alles größer und schöner war, als du noch träumtest. Das Beste ist geschehen, bevor du die Augen öffnetest; dein Traum hat es vorweggenommen. Er ist dir vorangeeilt und hat das Schwert geführt, das du nicht tragen konntest. Du bist ihm nachgeschlichen mit leeren Händen.“

Lukas senkte die Stirn und erhob sie wieder.

„Das alles ist wahr,“ sagte er. „So war mein Leben. Aber wenn ich weiter nichts getan habe als einen Gang vors Tor, so will ich jetzt dennoch nicht bei euch Alten sitzen bleiben, die ihr so weise seid. Lieber tue ich einen zweiten Gang vors Tor und beginne alles, was ich versucht habe, noch einmal, und lasse es mich nicht gereuen, wenn mir der Tod auf einer Landstraße begegnet. Dann will ich mich auch mit ihm messen; vielleicht fühlt er meine Streiche, vielleicht ich seine. Ich decke ihn mit meiner roten Fahne zu, oder er mich mit seiner schwarzen.“

Darauf wandte er sich und schritt den Hügel wieder hinab, und über Felder und Steige. Junge Mädchen, über herbstliche Beete geneigt in den Gärten am Wege, bewarfen den Vorübergehenden mit Astern. Eine große rote Blume haftete auf seinem grauen Haar; es flatterte lang im Winde.