„Sie sieht nicht;“ und Crassus verhöhnte ihn für seine Liebe zum fühllosen Stein. Dann umschlang er meinen Geliebten und bat. Timander setzte sich auf meinen Sockel und schloß die Augen. Er widerstand wie eine Frau. Crassus ward zornig, ging fort und drohte ihm mit Faustus dem Herrn. Der kam: ein fetter Alter, auf zwei Sklaven gestützt, der laut atmete und übel roch. Er zwinkerte dem Crassus zu und sagte, ich gefalle ihm, er wolle mich hinauf nach dem Hause tragen lasen. Vergeblich warf Timander sich ihm zu Füßen.

„Ich will dich freilassen,“ sagte Faustus. „Aber dein Werk gehört mir.“

Als er fort war, fragte Timander mich:

„Soll ich dich zerschlagen?“

„Tu’s, Lieber,“ sagte ich. Er aber:

„Faustus würde befehlen, mich mit Ruten zu peitschen.“

Und er ließ es. Ihr Zärtlichen duldet wohl nicht gern Schmerz? Ei sieh! Ihr möchtet, daß man für euch stürbe, zum zweitenmal stürbe; aber die Rutenstreiche, die es euch kosten würde, reuen euch!

So stand ich nun, auf der Seite, wo das ruhelose Meer sie bespült, am Gipfel der weißen Treppen, umschwankt von Rosenketten, umwirbelt von Weihrauch und umdunstet von Wein, von Gewürzen und gesalbten Knabenleibern. Aglaë, eine Flötenspielerin, die ich Lebende gekannt und wegen ihrer Feilheit beschimpft hatte, lehnte sich an mich, an diesen jungfräulichen Leib, und ließ sich von Trunkenen küssen. Nur wenn am fahlen Morgen alle im Schlafe röchelten, konnte Timander, ein Freigelassener, der die Freiheit fürchtete, über sie fort bis vor meine Knie kriechen. Eine Dirne riß ihn um, dem die Lider sanken; — und über dem üblen Atem jeder sterbenden Orgie verharrte Mnais, den windigen Morgen auf ihren spiegelnden Hüften, hoch und allein.

Noch immer sah ich meine Glieder rein und glatt; und jene welkten, verschwanden, wechselten. Timander war nicht wie sie und nicht wie ich. Alt war er und jung zugleich. Ihm hingen nun graue Strähnen im blonden Haar, und sein müdes Gesicht war das eines Knaben, der zu lange gewacht hat. Er konnte noch schmollen, lispeln, schelmische Streiche ausdenken; und die Fremden, Neuen verachteten ihn dafür. Nur Mnais verstand ihn. Einst kam ein Mächtiger, dem Bewaffnete voranschritten; und Timander stürzte aufgeregt herbei.

„Crassus, du bist’s?“ — atemlos vor Glück.