„Auch du noch da?“ sagte kalt der Mächtige. Keinen Lorbeerkranz mehr trug er; aber in seinen verwitternden Falten, im Winken seines Fingers selbst war der Ruhm. Timander ließ die Arme sinken.
„Du bist gewichtig geworden, Crassus,“ sagte er, schüchtern spottend, „und nicht jünger. Altern wir denn wirklich? Diese hier“ — und er zeigte auf mich — „bleibt doch dieselbe!“
„Noch immer der Narr,“ erwiderte Crassus, „der Spieler!“
Timander aber:
„Spielt nicht auch ihr? Ich habe nie verstanden, wie ihr euch ernst nehmen konntet! Weißt du wohl noch, als ich einmal zu euch gesprochen habe wie ein Tribun, weil ihr einen unschuldigen Sklaven gekreuzigt hattet? Ihr wolltet mir zürnen. Ich hoffe, du zürnst mir nicht mehr. Ist nicht alles nur Ton, worin wir spielend nach Göttern suchen?’“
Crassus blickte auf mich. Dann nickte er dem Timander zu.
„Eins gelang dir. Treibe es in deiner Art und lebe wohl!“
Er sprach zu ihm gnädig und mit Ungeduld, wie zu einer Frau, die man nicht mehr begehrt; und er wandte sich weg.
Ich aber, die den Timander alt und verlasen sah, gedachte in meinem Herzen meiner verlorenen, warmen und süßen Glieder, die von der Sonne in Gold gebogen, vom Quell kühl und hart gemacht, vom Schatten mit den Abbildern kleiner Blätter gesprenkelt wurden; und erschauerte in neuer Angst, weil sie so lange schon vermodert waren im Hause der Rhus, und bald nun auch Timander in Staub fallen sollte. „Armer!“ dachte ich. „Besser in Stein gekerkert fortdauern, als mit dem Fleisch das süße Leben lassen müssen!“ Timander aber nahm das Kinn aus der Hand, steckte sie in die Brustfalten seines Kleides und trat vor mich hin.
„Dennoch,“ sagte er, aufgerichtet, „bin ich’s, der dich machte!“