Wie nun Messer Fausto zurückkehrte und es der heilige Samstag vor Ostern war und aus dem Tor des Domes der Festhall kam wie eine Wolke mit Engeln darauf, da sprach es hinter meinen gesenkten Lidern, und, Herr, ich konnte nichts dafür: „Sie feiern ihn, der die Liebe ist und sich hat kreuzigen lassen. Er will, daß auch ich lieben und dafür sterben soll. Und ich sträube mich nicht. Aber ruchlos und abscheulich ist’s, daß er aufersteht und auch das von mir erheischt. Wer glücklich tot ist, der sollte es bleiben dürfen und endlich in Sicherheit sein vor der Liebe und dem, der die Liebe ist!“

Mit diesen Gedanken war ich dicht vor das Tor gelangt, und plötzlich erweiterte es sich wie ein Mund, ich fühlte seinen Atem auf meiner Stirn brennen, und eine ungeheure Stimme, eine Orgelstimme, schrie: „Du sollst sterben und wiederkehren vor allen anderen und zugleich mit mir. Schon morgen sollst du wiederkehren, sollst sehen, wie alle meinem Auferstehen zujauchzen, das du gelästert hast. Bei deinem aber soll dich frieren, und du sollst große Reue haben!“

Alle müssen es gehört haben, so laut ward es geschrien! Warst du das, Herr? Wohl; denn du hast’s wahrgemacht. Dann erkläre mir aber, was eine Frau zu bereuen hat, die ihren Mann nicht betrügen und seine Geschenke nicht verlieren und von den Leuten nicht mit Fingern gezeigt werden wollte. Sollte ich etwa Schande und Armut auf mich laden, weil es irgendeinem Menschen einfiel, mich zu lieben? Zwar liebte auch ich ihn. Warum aber bestimmtest du dies so? Und vergingst dich dadurch gegen die bürgerlichen Regeln? . . . Heute ist Ostern, und wir sind beide auferstanden; nun erkläre diese Dinge!

Aber du schweigst. Du hältst nur den Kopf auf die Schulter geneigt und siehst mich kaum, so tief sind deine Lider herabgelassen Hörst du’s wenigstens, wenn ich gegen deine Füße klopfe? Ach nein; du seufzest nur und legst den Kopf auf die andere Schulter. Mich hast du hierher bestellt, und du selbst schläfst lieber noch etwas!

Wie ich verlassen bin und abgeschieden von allem, allem. Mich friert; ich habe keinen Mantel und nichts, wohinein ich mich hüllen kann; nur das große, weiße Leinentuch von meiner Bahre.“

II.

„Nun bin ich draußen, und weiß nicht, wie ich herkam. Ich strich so lange an den Wänden entlang im Dom, bis ich auf einmal herausschlüpfte. Die Stelle könnte ich nicht wiederfinden. Ich begreife nicht, was mit mir geschieht, und mir ist sehr bange. Habe ich nicht eben noch unserem Herrn getrotzt? Jetzt sehe ich wohl, wie alles unsicher ist und voll von Geheimnissen. Ist denn dies der Domplatz, auf dem am Mittag die Weißen und die Schwarzen einander Hohnreden zurufen und die Händler die Bänder und Kuchen feilbieten? Über den mit stolz gesenkten Augen die anständigen Frauen wandeln? Jetzt ist Ginevra bange, wenn sie auf diese Quadern hinabstiege, sie möchten unter ihren Füßen weggleiten, wie Wasser.

Wagen mußt du’s, du willst dich doch nicht auf die Stufen legen, wie eine Bettlerin. Trägt es mich? O! Es regt sich um San Giovanni her, auf den alten Gräbern! . . . War’s nicht’s? Ich habe Furcht, ich, die selbst eine Tote bin! Aber die in jenen Särgen sind Heiden . . . So also ist denen zumute, die wiederkehren. Alles erschreckt sie, und sie wissen nicht, wozu sie kamen. Ich fühle in mir ein helles, kaltes Licht, das wacht in der Welt allein. Vom Turm schlägt es ein Uhr. Allein, ohne Zweck, und wer weiß, wie lange. Erlösche ich nicht, zergehe ich nicht? Bin ich nicht bloß am Mondlicht entzündet? Ich will in eine dunkle Gasse huschen, vielleicht ist’s dann aus.

Du bist noch da, Ginevra. Immer an der Mauer hin; — dort geht eine Tür auf. Wenn sie mich sehen! Da schau, es ist das Haus Messer Tibaldos, und wer schleicht heraus? Messer Gino, — und durch den Türspalt lugt Madonna Eletta. Ist nicht Messer Tibaldo nach Pisa? Also hatte ich recht mit Messer Gino und Madonna Eletta? Ich dachte es gar nicht. Und er, er läuft vor mir davon! Ach ja, ein Geist. Was ein Geist alles sieht! . . . Da bin ich vor Messer Faustos Haus. Es ist doch mein Haus, soll ich nicht klopfen dürfen? Wie lange es währt! Mich friert. Mach auf! O! seine Nachtmütze.“

„Wer klopft?“