„Ginevra, Euer Weib.“
„Wer?“
„Ginevra degli Amieri.“
„Um Gottes willen, entweiche! Verschone mich! Ich schlug dich, ja; aber es war mein Recht, denn ich war dein Mann. Du darfst mich dafür nicht heimsuchen! Ich will Messen lesen lassen, damit du Ruhe bekommst.“
„Er hat das Fenster zugeworfen. Wie seine Stimme vor Angst sich brach! Hätte er mich nicht einlassen sollen? Ich mag ein Geist sein, aber hat er nicht auch meine Seele geheiratet? Wohl nicht. Wozu aber muß eine Tote umhergehen? . . . Ich will’s bei meinen Eltern versuchen; es ist nicht weit.
Schon rühren sie sich. Ein Licht wandert durchs Haus. Die Mutter schläft wieder einmal nicht und wirtschaftet umher. Ihr ist’s wohl leid, daß ich tot bin. Nun ist der Vater am Fenster, Vater!“
„Du schlechte Tochter! Warum erschrickst du deine arme Mutter. Du mußt wohl sehr sündig sein und hast darum keine Ruhe gefunden. Morgen sollen die Teufel gebannt werden aus dir. Aber tu deinen Eltern nichts an! Geh doch zu deinem Mann! Wir haben dich ihm gegeben und Geld genug dazu, so daß wir dir nichts mehr schulden!“
„Er hat den Laden angezogen und den Riegel vorgelegt. Die Mutter stand hinter ihm und rang die Hände. Wie ihr das schrecklich sein muß, daß ihr Kind, ihr so gehegtes, nun zu den Bösewichtern und irrenden Seelen in die Nacht hinausgescheucht ist! Aber auch der Vater hat recht; er hat für mich bezahlt, und ich habe keine Forderung an ihn. So allein ist man: ich wußte das nicht. Ich dachte, sie könnten mich schlagen, aber ich würde immer ein Bett haben. Sonst sperrten sie mich ein. Jetzt öffnet mir niemand . . .
O, wo bin ich? Dort schleichen sie schon, die Bösewichter, dort unter dem Schwebebogen. Sie schleichen hinter einem, den eine Frau umschlingt. Sie küßt ihn: da greifen sie ihn. Die Frau hält ihn fest, damit sie ihn töten können. O, auch das war Liebe? Ich will schreien: Hilfe! Nun werden Sie mich — töten? Sie können’s ja nicht mehr. Sie sehen mich: alle laufen davon. Ich habe einen Menschen gerettet. War ich dazu gesandt? Guter Mensch, höre! O, auch er läuft. Ich war ihm so dankbar, ich weiß nicht wofür. Aber er läuft vor mir weg.
Und nun? Was ist dies für ein Haus? Kennst du es, Ginevra? Du gingst mit Messer Fausto, deinem Manne vorbei, und er behauptete, du habest hinaufgesehen, und versprach dir Schlimmes. Du hattest es nicht; aber seither wußtest du, wo Messer Raniero wohnt, Übrigens, jetzt wüßtest du es ohnedies; die Toten kennen alle Plätze . . . Dahin also sollte ich. Sonst habe ich keine Zuflucht und keine Bestimmung. Ich will klopfen.“