„Was sagt Ihr? Warum bleibt Ihr also dort hinten? Alles flieht mich, weil ich gestorben bin. Kann ich dafür, daß ich wiederkehre? Ich habe es nicht gewollt. Wer das gedacht hätte, früher in den wimmelnden Gassen, im lauen Gedränge der Kirchen, daß Menschennähe so kostbar werden würde!“

„Wollt Ihr mir die Hand reichen, Madonna Ginevra?“

„Eure Hand ist warm, Verzeiht: Ihr seid gut, daß Ihr mich zu Euch einließt. Draußen war es schlimm. Wie geht es zu, daß Eltern und Gatte mich fortschicken, Ihr aber, Messer Raniero, öffnet der Toten, die Euch doch nichts erwidern kann. Ich habe nie gehört, daß jemand umsonst gibt. Was wollt Ihr?“

„Ich will, Madonna Ginevra, daß Ihr Euch in meinen Stuhl setzt, so, und daß Eure Blicke alle diese Dinge neu und wohltätig machen. Vielleicht wird sich leichter leben lassen zwischen den Wänden, die Eure Stimme vernommen haben? Und dann . . .“

„Warum sprecht Ihr zitternd und werdet so blaß?“

„Und dann laßt es Euch wohl sein im Frieden und kehrt nicht mehr wieder. Denn lieber will ich Euch missen, als daß Ihr um meinetwillen dieselbe Strafe erdulden solltet, wie im Pinienwald bei Ravenna jener nackte und immer gehetzte Geist, der einst eine gegen Liebe grausame Frau war.“

„Das sind Lügen von Messer Giovanni Boccaccio, Ihr müßt ihm nicht glauben. Was wißt Ihr, ob denen, die wiederkehren, hier nicht doch wohler ist als drunten, Ihr habt mich ein wenig erwärmt. Dort ist’s nicht gut sein. Mich schaudert; ich will nicht wieder hinab.“

„Ihr wolltet lieber bei mir bleiben? Madonna Ginevra?“

„Wer hat das gesagt, Messer Raniero? Nur daß Ihr den Dichtern nicht alles glauben müßt, sagte ich. Aber Ihr seid selbst einer, und Ihr stecktet mir im Hof der heiligsten Annunziata, während Messer Fausto einen unverschämten Bettler schalt, Verse in die Hand. Warum seid Ihr nicht eifriger im Geschäft?“

„Ihr habt recht, denn die Verse waren schlecht.“