»Sie kenn' ich, Sie sind einer von den Heimlichen;« und sie trat Lohmann näher. »Hier tun Sie, als ob die Welt Sie kalt ließe, und hinterrücks bedichten Sie einen in dreckiger Weise.«
Lohmann lachte verlegen.
»Sie sind überhaupt der Letzte, dem ich 'n irgendwie triftigen Grund geben werd' zu der Annahme, ich könnt' in die Wochen kommen. Verstehn Sie mich? Der Letzte.«
»Also gut. Der Letzte. Ich warte so lange,« sagte Lohmann gelangweilt; und indes sie ihm den Rücken drehte, streckte er die Beine von sich und richtete das Gesicht gegen die Decke. Er saß hier ja ohne persönliches Interesse und nur als ironischer Zuschauer. Ihm konnte doch die Person gleich sein. Um sein, Lohmanns Herz stand es wahrhaftig viel zu ernst, viel ernster, als man je erfahren würde ... Er machte sich einen Panzer aus Spott ...
Das Klavier hatte sich ausgeruht.
»Rosa, Ihr Lieblingswalzer!« sagte die dicke Frau.
»Wer will tanzen?« fragte Rosa. Sie wippte schon, und sie lächelte Ertzum zu. Aber Kieselack kam dem breiten Junker zuvor. Er legte Hand an Rosa, wie zu einem Gassenjungenstreich, drehte sie heimtückisch sachte herum und schleifte plötzlich ganz weit aus. Sie fiel fast hin. Dabei streckte er ihr die Zunge aus und kniff sie, von allen ungesehen, auf der Rückseite. Sie erschrak und sagte ärgerlich und zärtlich:
»Wenn du Ekel das noch mal tust, sag' ich es ihm, und er verhaut dich.«
»Das laß bleiben!« riet Kieselack ihr wispernd. »Sonst sag' ich ihm auch was.«
Sie lachten, ohne die Mienen zu verziehen. Ertzum sah ihnen zu, verstörten Blicks, das blondrote Gesicht voller Schweißtropfen.