Inzwischen hatte Lohmann die dicke Frau aufgefordert. Rosa ließ Kieselack stehen und sah Lohmann zu, der gut tanzte. Die dicke Frau ward unter seinen Händen ganz leicht. Als es ihm genug schien, verbeugte er sich gnädig und kehrte, ohne Rosa zu bemerken, an seinen Platz zurück. Sie folgte ihm.
»Tanzen kann man meinswegen mit Ihnen. Wenn Sie auch sonst zu nischt zu brauchen sind.«
Er zuckte die Achseln, drückte seine Gleichgültigkeit noch durch einen der schauspielerhaften Faltenwürfe seines Gesichts aus und erhob sich. Sie walzte lange, schwelgerisch und hingegeben.
»Haben Sie genug?« fragte er endlich höflich. Und als sie erwachte:
»Nun, dann –«
»Hab' ich 'nen Durst!« rief sie, außer Atem. »Herr Graf, geben Sie mir was zu trinken, oder ich fall' um.«
»Er steht selbst nicht sicher,« bemerkte Lohmann. »Er sieht ja aus wie der besoffene Mond.«
Ertzum keuchte, als ob die ganze Zeit nur er das Mädchen herumgedreht hätte. Er senkte eine Flasche, die ihm in der Hand zitterte, und aus der nur noch ein Rest floß. Darauf sah er Rosa ratlos an. Sie lachte. Die dicke Frau sagte:
»Ihr Herr Lehrer hat, scheint's, 'n guten Zug.«
Ertzum begriff; ein Schwindeln ging sichtbar durch seine Augen. Er erfaßte plötzlich die leere Flasche am Hals, wie eine Keule.