Sie kletterten über die Stiege; in dem niedrigen Saal fanden sie, von Büchergestellen umgeben, den alten braunen Stutzflügel; Lola lachte nur über sein Geklapper, das Mai entsetzte; und sie sang. Sie sang, als flöge sie einen Berg hinauf, so daß die Lungen frisch, die Füße munter und unbestaubt bleiben. Beim letzten Aufschrei ging sie ganz in einem Schauer unter und stand noch, von Glück verwirrt, da, indes Mai entzückt darauf losschwatzte. Alle diese Dissonanzen, und dies plötzliche Fallen: o, das sei äußerst modern und komme aus Paris. Was der Herr nun sage! Was er nun sage! Mai begriff nicht, warum er nicht jubele . . . Er war verlegen aus Furcht vor nichtssagenden Übertreibungen.
„Sehr gut — so viel ich verstehe. Und Ihr Alt: ich darf sagen, ich hörte nie dergleichen.“
Lola wandte sich erregt um.
„Ich wußte, daß ich heute etwas können würde! Wenn ich gut singen werde, weiß ich’s schon früh beim Erwachen, ehe ich einen Ton von mir gegeben habe.“
Und mit Ungeduld:
„Jetzt, Mai, das von Gluck!“
Arnold wechselte den Platz, um diese tiefen, starken und weichen Klänge ihren Lippen entrollen zu sehen: er hätte es sonst nicht geglaubt. Das Rot dieser Lippen verschärfte sich in dem erblaßten Gesicht und beim fiebrigen Licht der Augen. Das Gesicht schien ein Lächeln der Pein zu tragen unter der Gewalt der herausquellenden, mühsam gedämmten, mit Kunst entsandten Töne. Eine Hand fingerte angstvoll auf der Brust. Diese weiße kleine Gestalt, die im Rahmen des Fensters verschwamm, sich unter dem Geflimmer einer blonden Haarwolke in das Mittagslicht auflöste, sie dünkte ihm zu schwach für die Gewalten, denen sie sich zum Gefäß gab.
Da brach Lola ab.
„Nicht den Lauf! Mein Gott, was willst du immer mit dem Lauf? Fühlst du denn gar nicht, daß solche Kleinigkeiten in dieser Musik nicht Platz haben?“
„Ich will es nicht wieder tun,“ bat Mai. „Sei gut, fang von vorn an. Es war so schön. Nicht wahr, mein Herr, es war schön?“