„Über mich, Fieke?“

„Nein, über mich, Steffen. Ich bin dir absichtlich aus ’m Wege gegangen. Aber es war nicht recht von mir, ich hätte gleich deutlich mit dir reden sollen.“ Er machte eine beschwichtigende Geste; doch ehe er antworten konnte, fuhr sie schon fort: „Man muß nicht vor einander weglaufen, das ist was elendes, das kann ich nicht leiden, darum ärgerte ich mich über mich und sagte zu mir selbst: Jetzt gehst du zu ihm, und koste es was es wolle, und sprichst offen mit ihm.“

„Ja, siehst du, Fieke, so muß es wahrhaftig sein. So meine ich’s grade auch. Meine Brust kannst du jeden Tag und jeden Augenblick umkehren, und du sollst alles so finden, wie es nur im Gesichte steht. Denn die Falschheit, das ist das Allerschlechteste und Allerabscheulichste in der Welt.“

Sie atmete schwer, stand mit halb abgewendetem Gesichte da und schwieg, so daß er ungehindert fortfahren konnte: „Na Fieke, ich kann mir ja denken, was dich so geärgert haben muß die letzte Zeit: daß ich schon so lange nicht mehr zu euch ’rüber gekommen bin und überhaupt so wenig nach dir hin gesehen habe.“

Sie machte eine Bewegung, die wie ein Aufzucken war. „Och, Steffen ...“

Aber er ließ sie noch nicht zu Worte kommen.

„Das mußt du mir nicht nachtragen, Fieke. Denn sieh mal, wie habe ich nicht all die Zeit den Kopf so voll gehabt. Wie habe ich nicht immerfort sinnen und denken müssen, um all das Geld, das Meiergeld und den Meierzins zusammen zu bringen. Kurz und klein habe ich mir beinahe ’n Kopf gedacht und darum gar an nichts anderes denken und nach nichts anderem sehen können. Ja, du hast manchmal dagestanden, daß ich dich wohl beinah umgerannt hätte, aber ich dachte immer erst ’ne ganze Weile nachher daran, daß du da gewesen warst. Na, Fieke, so ’n Martenstag ist doch wahrhaftig auch keine Kleinigkeit! Aber nun ist alles überstanden, und ist nur Marten erst zurück, dann sollst du aber mal sehen, Fieke, wie ich um die Eichen ’rum komme. Dann sollste aber mal sehen! Du glaubst ja gar nicht, was ich für ’ne Freude habe, daß du nun bald ganz im Hause sein wirst. Sie könnten kommen und könnten mir ’n ganzes Königreich anbieten und noch ’n ganzen Vollkötnerhof mit anderthalb Spann Pferden — gingest du nicht mit, so sagte ich auch: Macht andre glücklich damit und laßt mir nur meinen wüsten Hof, da will ich schon reich und glücklich genug werden, wenn ich die Fieke erst habe. Siehst du! Also mach’ dir man ja keine Gedanken, Mädchen, daß ich nicht groß auf dich hielte; ich hab’s dir nur nicht so zeigen können. Und darum wollen wir denn auch keinen Tag mehr länger säumen und sobald wie möglich Anstalt zur Hochzeit machen. Nicht, Fieke?’

Er ging wieder auf sie zu, sie wich ihm aufs neue aus, atmete schwer, schüttelte den Kopf, seufzte: „Och, Steffen, du machst es mir schwer.“ ...

„Was denn aber, Fieke?“

Sie kämpfte mit sich. „Och, Steffen.“ ... Sie brachte es nicht heraus. „Nein, ich kann es dir jetzt doch nicht sagen, Steffen!“