Marten machte wieder eine seiner redenden Gesten, ja, er zeigte sich fast verletzt. „So arg, Bruder, brauchste doch nicht zu tun. Es ist jedenfalls besser für dich, daß ich den Hof habe, als wenn ihn irgend ein Fremder gekriegt hätte. So kannst du doch dein ganzes Leben auf ’m Hofe bleiben und ihn wie dein eigen ansehen.“
Steffen zuckte zusammen, seine Augen schienen sich mit Blut zu füllen, aber er hielt sich und fragte mit tonloser Stimme: „Haste den Meierbrief?“
Marten nickte und zog die Achseln.
„Haste ihn wirklich?“ ächzte Steffen abermals und wankte zwei Stufen herab.
Marten zog eine steife, gelbliche Urkunde aus der Kitteltasche, faltete sie auseinander, hielt sie Steffen hin, deutete mit dem Finger auf die Schrift und las:
„Ich Ernst August, Freiherr von Steinberg, Erbherr auf Bodenburg, Habarnsen u. s. w. urkunde und bekenne hiermit, daß ich den Colonus Marten Christoph in Woltershausen anderweit auf neun Jahre von Michaelis 1846 anfangende und Michaelis 1855 endigende Jahre bemeiert habe und kraft des gegenwärtigen Meierkontraktes bemeiere, mit einem Kothofe und 33 Morgen Ackerland ....“[30]
Ein heiserer Wutschrei unterbrach ihn. „Du Satan, jetzt ist mir alles klar!“
Steffen stürzte nach dem Papiere. Ein wildes, furchtbares Ringen, ein Knacken und Stampfen — — ein Gurgeln und Brüllen — — und von der Treppe schlugen sie krachend herab auf den Boden.
Steffen hatte keulenstarke Fäuste und tat gewaltige Schläge; aber Marten war gewandter, kam mit einer listigen Wendung oben auf, sprang in die Höhe, barg seine Urkunde, retirierte gegen die Haustür, hielt hier den auf ihn eindringenden Fäusten einen Augenblick stand, machte wieder eine blitzschnelle Wendung und stieß den Bruder mit heftigem Stoß hinaus auf den Hof, worauf er ebenso blitzschnell die Tür verriegelte. „Bieg dich oder brich! Mein ist jetzt der Hof!“
„Du Satan du!“ brüllte Steffen und stieß mit Kopf und Faust gegen die Tür, bis er auf dem Antrittstein niederstürzte. Noch einmal rannte er gegen die Tür, ließ aber alsbald wieder ab und schlug sich die Fäuste an den Kopf. Er lief nach dem Schuppen, schürzte einen Strang von dem Wagenschwengel, legte sich ihn um den Hals und sprang nach dem Walnußbaume — stockte aber wieder und stand, die Hände an die Schläfe gelegt, eine Weile wie im Starrkrampfe da.