Als sich endlich die Erstarrung löste, ging er wie gelähmt nach dem Schuppen zurück, setzte sich auf die Pflugschar, legte das Gesicht in die Hände und saß so wohl eine lange Stunde, bis Marten die Tür wieder geöffnet hatte. Ruhig ging er dann in das Haus zurück, um wenige Minuten später im Sonntagskaput und mit dem Rock des Vaters von dannen zu gehen.

Ein starrer Blick noch auf den Hof, dann schritt er rasch hinweg, und wenn er Menschen sah, machte er einen weiten Bogen. Er schlug aber denselben Weg ein, den er am verflossenen Tage mit dem schweren Sacke hingegangen war. Ob er sein Glück noch einmal versuchen wollte?

Nun, die Hunde mit den blutroten Augen fürchtete er jetzt wohl nicht mehr, denn mit dem Schlimmsten vertraut, konnte ihn nichts Schlimmes mehr schrecken.

Vierzehntes Kapitel.

Das neue Jahr war bereits eingeläutet. Ein harter Frost hielt die Erde umklammert. Schneestürme brausten daher, breiteten große Massen über Berg und Tal und pfiffen erbarmungslos durch die Ritzen und Löcher der Häuser. Man mußte schon viel heißen Lebensodem anwenden, um nur ein Blättlein oder Zweiglein von den prachtvollen Blumen der Fensterscheiben wegzuhauchen und ein Gucklöchelchen auf die Straße zu gewinnen.

Jeder freute sich seiner warmen, wohligen Heimstätte, und wer durch das Gucklöchelchen in der Fensterscheibe hinaussah, der dachte gewiß in unwillkürlichem Mitleid an den armen Reisenden auf der Straße.

Ob der verschwundene Steffen wohl auch so ein armer Reisender geworden war?

Irgend jemand hatte ihn am Tage nach Martini vom Schlosse in Bodenburg herwanken sehen. Seitdem war er verschollen.

Das seltsame Ereignis war für das Dorf, ja für die ganze Gegend eine Sage geworden, an der sich die Leute den ganzen Winter unterhielten. Wo man abends um den Ölkrüsel herumsaß, da wurde auch von dem verschwundenen Steffen geredet und geraten.