„Fieke ist Euer einziges Kind, Drewesvetter ...“

„Jawohl! Aber lieber keins, als so eins ...“

„Vater, aber Vater!“ rief erschreckt die Frau, indem sie den Faden reißen ließ und die Hände zusammenschlug.

Drewes’ Gesicht war erdfahl geworden. Er trat ans Fenster und sah nach dem Himmel. „Gott im Himmel mag einem die Sünde vergeben, daß man so ’was sagen muß.“

Marten, der immer noch auf einem Flecke stand und an dem Hobelspane knickte, wandte sich halb gegen die Frau und halb gegen den Alten und sagte ganz unverfroren: „Ihr habt unserm Steffen Eure Fieke doch nur geben wollen, weil er das nächste Anrecht auf den Hof hatte. Nun will aber der Herr den Hof nicht ihm geben, sondern mir. Dagegen ist doch nun ’mal nichts zu machen, — und da Ihr wißt, daß ich Eure Tochter gern habe und daß sie mich gern hat, so bin ich herüber gekommen, daß Ihr sie mir geben solltet.“

Die Frau verharrte im Schweigen, aber das Schnurren ihres Rades wurde flinker und stärker.

Drewes sah den Burschen von oben bis unten an und sagte in herbem Tone: „Biste darum gekommen, Junge, dann geh nur wieder hin. Vielleicht kommt ’mal ’ne Zeit, wo wir wieder darüber reden können; wahrscheinlich aber kommt sie nicht, es sei denn, daß dein Vater wieder aus ’m Grabe auferstünde oder aus ’m Himmel winkte ...“

In seinem Gemüte schwer ergriffen, schritt Drewes nach dem Fenster, vor dem die Blumen standen, setzte die hoch gewachsene Myrte auf den Tisch und deutete hinaus: „Junge, kannste jene alten Eichen da mit Erde bedecken, daß sie niemand sieht? Kannste machen, daß der Schnee schwarz vom Himmel fällt? Kannste die Raben lehren, daß sie dir ’n Brief nach ’m Himmel bringen? Kannste das? Nein, so kannste auch nicht das Versprechen aus der Welt schaffen, das unsere Tochter deinem sterbenden Vater gegeben hat ... Oder willst du, daß unsere Tochter hinunter steigen soll zu den Toten und ... Geh, Junge, geh!“

Mit finsterer Stirn, mit wachsender Gestalt, den Arm nach der Tür hingestreckt — so stand Meister Drewes jetzt in der Stube.

Die Frau ließ das Rad sachte still werden und sah befremdet zu ihrem Manne auf; sie räusperte sich, wagte aber nichts zu sagen.