Marten warf den zerknickten Span zu Boden, machte eine trotzige Wendung und verließ das Haus, ohne Sophie gesehen zu haben.
Beim Kirchhofe mußte er um einen Trupp junger Mädchen herumgehen, die, ihre Spinnräder im Arm, horchend um die Totenkathrine herumstanden.
„Nehmt euch nur in acht vor dem schwarzen Geiste,“ warnte sie und drohte mit der Nase und mit dem Finger.
„Och, Kathrine, macht uns nur nicht bange!“ rief ein Mädchen, das etwas abseits stand, aber doch neugierig das Ohr nach der vermummelten Frau hinhielt.
„Wie war das doch, Kathrine?“ forschte ein andres, das in der Mitte stand und ihre nächste Nachbarin am Rocke festhielt.
„Ach, ihr glaubt’s ja doch nicht!“ rief die Alte in mahnendem Tone.
„Doch, Kathrine, doch!“
Da hob sie den Finger abermals und erzählte: „Es sind auch mal so ’n Stücker sieben Mädchen bei Palands am Steinbirnbaum gewesen. Und dann sind auch so ’n Stücker sieben Knechte gekommen. Und dann ist’s lustig geworden und immer lustiger und immer lustiger, daß ’s Haus gewackelt hat. Und die Knechte haben die Mädchen auf ’n Knien gehabt und die Mädchen die Knechte auf ’m Schoße. Und jeder hat sich genommen, was er hat kriegen können. Es hat aber ’n kleines Kind in der Wiege gelegen, das ist von dem tollen Jubel aufgewacht und hat nicht wieder einschlafen können und hat alles gesehen. Und das Kind ist noch nicht ein Jahr alt gewesen. Da, mit einem Male tut sich die Tür auf, und herein kommt euch ein kohlschwarzer Mann und fragt drohend: ‚Was ist das grünste?‘ Keiner konnte im Todesschrecken eine Antwort geben. Aber auf einmal richtet sich das Kind in der Wiege auf und antwortet: ‚Der Elsternschwanz!‘ Und weg war euch der Mann.“ —
Weg waren auch die Mädchen.
Da knüpfte sich die Totenkathrine das Kopftuch etwas fester, trappelte hinter Marten her und rief: „Haste denn noch gar keinen Bescheid von deinem Bruder, Junge? Haste nicht ’mal in der Nacht was gemerkt, ob er wohl tot ist? Hat’s nicht ’mal mit den Ketten gerintschelt?“