Sie wankte nach dem Bette und preßte ihr Gesicht auf das Kissen. „Das kleine schwarze Vögelchen ist meine Schuld!“ stöhnte sie und begann bitterlich zu weinen.
Der Mond schien hell in ihre Kammer, und als sie sich wieder erhob, fiel ihr Blick auf den Heiland am Kreuze. Sie sank auf ihre Kniee und betete inbrünstig: „Und vergieb uns unsere Schuld“ — und schloß ihr Gebet: „Lieber himmlischer Heiland, ich kann ja nicht anders!“
Aber als sie endlich schlief, kam das Vöglein dennoch wieder und lag bis an den hellen Morgen schwer auf ihrer Seele.
Sechzehntes Kapitel.
Als in Drewes Baumhofe die Rötchenäpfel wieder pflückreif geworden waren, sah man eines Nachmittags Marten hoch im Wipfel, während Sophie unten an der Leiter stand und still lächelnd in den Baum hinaufblickte.
Die Leute, die hinter der Hecke herauf oder herunter kamen, guckten mehr oder weniger überrascht und verwundert herüber, riefen etwas Lautes nach dem Baume, oder sprachen etwas Leises vor sich hin. Der lahme Oppermann, der auch vorüberhumpelte, legte sich mit beiden Ellbogen breit auf die Hecke und sagte: „Aha!“ Da hob Drewes braune Kuh, die unter den Apfelbäumen graste, den Kopf und antwortete: „Ahu!“ „So, so,“ sagte der Swän, nickte und lachte und sang im Weitergehen:
„Gestern abend auf der Bleiche,
Was mußt’ ich da seh’n?
Da tanzte mein Schätzchen