„Aber,“ fuhr der Alte nun mit einem vorüberhuschenden Lächeln fort,

„Frieen hät Meue,

Gift Bedden un Keue.“[4]

Steffen schob die flachen Hände auf den Knieen hin und her. „Ich habe ja schon mal so um die Brenne[5] geschlagen, aber ich weiß immer nicht recht, woran ich eigentlich bin,“ sagte er endlich, und ärgerlich fügte er hinzu: „Sie hat so ’ne verflucht übermütige und so ’ne ... so ’ne Art, — sie kann einen ganz albern im Kopfe machen, und — und — ich komme mir auch immer ganz albern bei ihr vor.“

„Hm,“ machte der Vater, und ein Lächeln huschte wieder über seine schmerzhaften Züge, „dann ist’s aber Zeit, daß du ihr einmal gehörig zu Leibe gehst. Mädchen, die einen albern machen, sind hernach schwer zu kriegen. Die Fieke ist nun aber ’mal so ’n rechtes, so ’n festes Mädchen. Die hat Arme und bringt ordentlich was ins Haus. Das ist ’ne Art. Käp Nawers Rind, frigge Nawers Kind, sau werste nich bedragen.[6] Darum mußt du die Brust ’raus drücken und ihr jetzt ’n Mann zeigen, der stramm in der Hose steht. Verstehste, Junge?“

„Ja, Vater, die Fieke möchte ich auch gar zu gern,“ sagte Steffen und rieb immer noch die Hände auf den Knieen. „Und der Herr Baron würde gewiß auch einverstanden sein, daß ich sie nähme.“

„Ha, das meine ich aber auch, Junge!“ bekräftigte der Vater. „Eine bessere kannste ihm nicht bringen. Was haste dann nicht auch für ’ne tüchtige Stütze an ihrem Vater, Junge. Wenn er auch man ’n Stellmacher ist! Wo der hinschlägt, da fliegen goldene Späne, Junge. Drewes kann dir ’mal gehörig böhren helfen, dann hast du keine Not. Ach, und dann — dann könnt ihr ’n Steg machen über die Despe, wie ich’n schon lange gesehen habe, wenn ich so nachts im Bette lag und nicht schlafen konnte. Und ihr könnt hinüber und herüber gehn und seid immer auf eurem Eigenen. Herrgott, da möchte ich mir noch so viel gesundes Leben wünschen, daß ich auch noch ’mal über den Steg ’rüber gehen könnte, wär’s auch nur noch ’n einzigen Sommer lang!“ Er hatte sich plötzlich vom Kissen aufgerichtet, sank aber kraftlos zurück und seufzte: „Ach, mit mir ist’s aus!“

Steffen rückte die Kissen zurecht und stob dabei zusammen, wie von einem jähen Schrecken erfaßt. „Vater, wird der Herr Baron mir aber auch den Hof wieder vermeiern?“

Der Alte machte eine energische Bewegung und rief in aufkochendem Zorne: „Saß nicht unser Urgroßvater schon auf diesem Hofe? Ist der Name Oelkers etwa so niedrig angeschrieben? Hat wohl einer von den Steinberg’schen Meiersleuten seinen Hof besser im Stande gehalten, pünktlicher seinen Meierzins bezahlt und sauberer das Korn gebracht als wir? Hat einer dickere Mahlschweine und fettere Mahlschafe, festere Martensgänse und Rauchhühner geliefert als ich? Herrgott! Hat nur einer auf der Welt sich mehr geschindet und geplagt, mehr Frost und Hitze ausgestanden für den Meierherrn als ich? Und bin ich trotz aller schweren Sorge und Not, trotz aller schlechten Zeiten, trotz Mißwachs und Hagelschlag mit dem Zins auch nur einmal um einen Tag im Rückstande geblieben? Oder nur ein einziges Mal um einen Nachlaß kniefällig geworden? Ho! Der gnädige Herr wird gern froh sein, Junge, hört er, daß dem alten Oelkers wieder ein junger Oelkers folgen will.“ Völlig erschöpft ließ der Alte den Kopf ins Kissen zurücksinken, sein Atem ging schwer und stöhnend.

Da ertönten draußen klappende Tritte.