„Junge, Junge!“ stöhnte Drewes wieder und schüttelte immerfort den Kopf, während helle Tränen in seine Augen kamen.
„Weißt du, wo ich heute gefrühstückt habe, Andreisvetter?“ Er lachte wieder, und da alles steinstumm auf ihn sah, schlug er sich aufs Bein, daß es klatschte und schrie: „Auf ’m Kirkstein! Auf ’m Kirkstein hab’ ich gefrühstückt. Leute, das war eine Tafel! Schöner als diese! Kirk! Kirk, Andreisvetter! Kirk! Kirk!“
Drewes flüsterte den um ihn Stehenden etwas zu und wankte wie verzweifelt davon.
Aber nur ein Teil des Hochzeitszuges folgte ihm; der andere drängte sich nebst den Zuschauern, starr vor Staunen und grausender Neugier, um das Grab herum, auf dem Steffen sich wieder gemütlich niedergesetzt hatte und wie vorhin von den um ihn ausgebreiteten Kuchenstücken aß.
Steffen nickte eine Weile zu den ihn umwirbelnden Fragen und Rufen, kaute ruhig zu Ende und deutete mit einer einladenden Geste auf das Grabmal: „Langt doch zu, Kinder, langt doch zu,“ begann er zu nötigen, „ich halte doch heute Hochzeit!“ — Dann tat er, als klinke er jemand an seiner Seite ein und sagte: „Hab ich nicht ’n schönes Liebchen? Hat’s nicht ’n schönes Bäuchlein, mein Liebchen?“ Er streichelte das Branntweinglas, trank, nickte eifrig, deutete über das Grab und fuhr wichtig fort: „Dies hier ist mein Haus und mein Hof, mein Tisch und mein Acker und“ — er kicherte leise — „auch mein Hochzeitsbett — das hat mir alles mein Vater vermacht.“
Die Leute sahen sich an und nickten leise. Etliche begannen zu weinen, etliche lachten.
„Ei, so langt doch zu!“ nötigte er wieder, hob die Flasche und jauchzte:
„Juhu, Hochzeit, Kindtaufe ist auch nicht weit!“
Er sah in die erschauernden Gesichter und machte eine unwillige Bewegung. „Ha, ihr wollt nicht mit mir essen und trinken? Es ist euch wohl nicht schön genug an meinem Hochzeitstisch? Ha, dann geht doch zu meinem Brüderchen und meinem Schätzchen! Ich habe noch andere Gäste, die werde ich herholen. Seht ihr da oben?“ Er winkte mit der Flasche nach den am Turme flatternden Dohlen und gröhltete ihnen zu: „Juhu, Hochzeit! Kindtaufe ist auch nicht weit!“
Nun sah er sich um nach dem Gestrüpp an der Kirchhofsmauer: „Und dort weiß ich mir noch eine ganz andere Gesellschaft, die mein Mahl wohl nicht verschmähen wird, eine ganz andere Gesellschaft weiß ich mir dort. Denkt euch nur,“ — er lachte wieder unbändig auf — „eben hat ’n Wiesel ’ne Ratte gefressen! Ja, was denkt ihr denn, es geht hoch her auf unserer Hochzeit! Was denkt ihr denn? Ihr gehört auch dazu. Seid ihr keine Wiesel, so seid ihr Ratten, und seid ihr keine Ratten, so seid ihr Wiesel.“