„Er ist irre, der arme Mensch,“ sagte der Geistliche und schüttelte den Kopf, „seht zu, bringt ihn ins Haus, ich werde hernach noch mit ihm reden.“

Die Leute nickten, und einige Hochzeitsgäste begleiteten ihn mit vielen entschuldigenden Worten nach dem Hochzeitshause.

Steffen sank in sich zusammen, fuhr aber alsbald wieder auf und rief: „Nichts für ungut, ehrwürdiger Herr! Ich bin ein hundserbärmliches Geschöpf, ich. Aber halten Sie übermorgen oder den andern Tag hier wiederum eine Hochzeitsrede, dann — ich bitte vielmals darum — dann halten Sie die Bibel in den Sturmwind, die Bibel, Herr Pastor. Es wird wohl Sturmwind sein, ein großer, siesender, sausender, daß die Knochen aus der Erde springen, Herr Pastor, die Knochen und daß der ganze Himmel in Fetzen fliegt, der ganze Himmel, Herr Pastor. So ’n Sturm! Was der dann aufschlägt, darüber predigen Sie — sonst wende ich mich um — umwende ich mich — um!“

„Steffen, Steffen!“ mahnten wieder die Leute, „darf man so mit ’m Herrn Pastor reden?“ Sie zeigten großen Unwillen über seine Respektwidrigkeit, ein ernsthafter Zorn vermochte aber nicht gegen ihn aufzukommen.

„Sag’ ’mal, Menschenskind,“ ließ sich jetzt eine andere Stimme vernehmen, „wo haste dich denn man bloß die ganze Zeit ’rumgetrieben?“

Steffen drehte den Hals, sah sich angelegentlich nach dem Fragenden um, daß die nächststehenden Frauen und Kinder scheu zur Seite wichen, und erwiderte mit großer Ernsthaftigkeit: „Auf einer Lustreise war ich, mein Jüngelchen, auf einer Lustreise! Sehe ich nicht lustig aus?“

Eilenden Schrittes kam Meister Drewes wieder auf den Kirchhof. Sein graues Haar flatterte um den bloßen Kopf, sein Atem ging keuchend, in seinem Gesicht glühte die Röte tiefer Erregung.

„Junge, Junge!“ Der Alte schluchzte krampfhaft auf und faßte Steffen bei den Händen. „Komm nach Hause, Steffen, komm, komm!“

Steffen sah überrascht auf, schüttelte heftig den Kopf. „Ich bin doch zu Hause! Und ich kann nicht fort, denn ich habe Hochzeit heute. Hochzeit habe ich. Seht Ihr denn nicht? Dort oben“ — er deutete wieder nach den Dohlen — „sind meine Gäste. Vornehme Leute, was, meine Gäste? Und schwarz sind sie alle, hu, wie schwarz! — schwarz wie der dicke Kater, der in der Nacht über ’n Kirchhof springt — wie der dicke schwarze Kater. — Was? Ihr habt auch Hochzeit und habt mich nicht ’mal eingeladen? Aber ich hab’s wohl erfahren durch meinen Reisemarschall, guter Andreisvetter? Wißt ihr, wer das ist? Haltet die Hosen fest! — Nämlich ’m Satan sein Nachtrabe! Der mit den großen eisernen Flügeln über den Wool fliegt in der Mitternacht, der Nachtrabe. Krah — krah — krah!“

„Junge, laß den Unsinn und mach’ schnell!“ flehte Drewes verzweifelt.